Berlin : Ball vors Brandenburger Tor

Ein Fest für alle statt der teuren Gala: Nach der Fifa-Absage findet Wowereits Idee immer mehr Freunde

Matthias Oloew,Werner van Bebber

Einen Tag nach der Absage der WM-Eröffnungsgala durch die Fifa freut sich Berlins oberster Tourismus-Werber Hanns- Peter Nerger auf das Ersatzfest am Brandenburger Tor. „Das wird sicher lustiger als die Gala im Olympiastadion“, sagt Nerger, „die wäre aufgrund der hohen Eintrittspreise und der Zusammensetzung des Publikums sicher eine etwas steife Veranstaltung gewesen.“

Dass der Vorverkauf für die Gala schleppend lief, wundert Nerger nicht: „Die Vermarktung lief unprofessionell.“ Gerade bei Kartenpreisen von 100 bis 700 Euro „kaufe man nicht die Katze im Sack“: „Da wurde viel Getöse um etwas gemacht, von dem der Kunde nicht wusste, was ihn erwartet.“ Die Fifa habe den Eindruck erweckt, die Gala sei eine Veranstaltung, auf die die Welt gewartet habe, dabei komme es zur WM doch vor allem auf die Spiele an. Nerger stellt sich nun eine bunte Show bei freiem Eintritt am Brandenburger Tor vor, ohne André Heller. „Es wäre sicher schön, wenn er dabei wäre, aber es geht auch ohne.“

Wie berichtet, hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Ersatzparty am Freitag vorgeschlagen. „Damit kehren wir zu unserer ursprünglichen Planung zurück“, erklärt Senatssprecher Michael Donnermeyer am Sonnabend. Mit der Party am Brandenburger Tor solle die Fanmeile eröffnet werden, die zum Mittelpunkt des WM-Geschehens in Berlin werden müsse. Dass die Gala-Absage und die Warnungen der Stiftung Warentest vor eventuellen Sicherheitsrisiken im Olympiastadion dem Image Berlins schaden, glaubt Donnermeyer nicht. Stattdessen warnt er: „Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht selber die WM kaputtmachen.“

Günter Nooke, bis zum September der medienpolitische Sprecher der CDU- Bundestagsfraktion, sagt heute, es sei falsch gewesen, die Organisation der WM-Eröffnung der Fifa zu überlassen. Eine Berliner Party biete die Chance, zwei Milliarden Zuschauern ein Bild von Deutschland zu zeigen. Deshalb solle die Bundesregierung jetzt die Chance nutzen und selbst eine Feier vorbereiten, auch wenn die Zeit knapp geworden sei. Das Olympiastadion wäre ohnehin der falsche Ort, sagte Nooke – „das muss mit Deutschland verbunden werden“. Es müsste der Reichstag und das Brandenburger Tor im Hintergrund zu sehen sein. Bei der Feier könne eine deutsche Geschichte erzählt werden, die zeige, wie eng das Land dem Fußball verbunden sei, von Bern 1954 über das Sparwasser-Tor im Spiel Bundesrepublik gegen die DDR bis zur WM 1990, die man sich nicht zu feiern traute, um nicht den Eindruck nationalen Größenwahns zu erwecken. „Das muss man weltweit erzählen“, sagte Nooke, „das muss die Bundesregierung jetzt machen.“

Der Bund sieht sich nicht in der Pflicht. Stattdessen unterstützen Bundespolitiker wie der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Peter Danckert (SPD), die Pläne Wowereits für eine Party am Brandenburger Tor.

Wie soll sie aussehen? Dazu gibt es noch keine Pläne. Für Senatssprecher Donnermeyer ist sie aber ohne weiteres möglich: „Die Infrastruktur mit Bühnen und Videoleinwänden steht ohnehin schon für die Fanmeile.“ Am Brandenburger Tor werde, ähnlich wie bei der alljährlichen Silvesterparty, eine Bühne aufgebaut, die sich für ein großes Showprogramm eigne. Außerdem habe der Senat den Elektronikkonzern Philips als Sponsor gewonnen. Das Interessenbekundungsverfahren für die Ausrichtung der Fanmeile läuft noch bis zum 27. Januar.

Der Berliner Tourismus-Marketing-Chef Nerger wünscht sich ein niveauvolles Fest, das sich zur Silvesterparty vor allem darin unterscheidet, dass „die Eröffnungsshow am Brandenburger Tor einen Bezug zu den teilnehmenden Ländern haben muss“. Nerger fragt sich, ob die bereits gebuchten Stars für die Olympiastadion-Gala nicht einfach am Brandenburger Tor auftreten könnten.

Für das geplante Fest benötigt Berlin das Einverständnis der Fifa. Das könnte schwierig werden. Nach der Gala-Absage hat der Weltfußballverband nämlich beschlossen, dass die Gala auch nicht woanders stattfinden werde.

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