Berlin : Ballsaison eröffnet: Je schlichter der Schnitt, desto edler der Auftritt

Andreas Oswald

Was ist das Schönste auf Bällen? Das Tanzen? Das Sehen und Gesehen werden? Das Lästern? Es gibt Leute, die lassen nichts von dem aus. Mit ihnen ist das Tanzen wunderbar, das herumschlendern mit ihnen macht Spaß - nur das Lästern, das ist eine Plage. Fortgeschrittene - und Lästernde sind meistens Fortgeschrittene auf diesem Gebiet - schaffen es, der ganzen Gesellschaft ein strahlendes Gesicht und strahlende Zähne zu präsentieren und dabei dem gerade Nebenstehenden die gemeinsten Dinge über Leute zu sagen, die gerade vorbeilaufen.

Eine kurze Zeit kann das lustig sein, aber irgendwann wünscht man sich eine andere Person neben sich. So ist es ratsam, vor einem Ball gut zu überlegen, mit wem man hingeht. Am Besten ist die eigene Frau oder der eigene Mann, da fühlt man sich sicher. Doch geht man - aus welchen Gründen auch immer - mit einer Person, die man noch nicht lange kennt, kann es Überraschungen geben.

Katastrophe: ein gescheckter Smoking

Das fängt mit dem Outfit an. Plötzlich hat die Frau einen Mann neben sich, der einen lila Smoking trägt, oder einen gescheckten oder gestreiften. Dann kann sie nur noch das ganze Unternehmen abbrechen, will sie nicht den ganzen Abend den Lästereien ihrer Freundinnen ausgesetzt sein, die sie nur zu gut kennt. Es könnte ratsam sein, den Mann ein paar Tage vorher beiläufig zu fragen, welche Farbe sein Smoking hat. Vielleicht hat er ja gar keinen. Das ist zwar immer noch besser als ein lilafarbener, aber bevor die Frau mit einem Mann auf der Bildfläche erscheint, neben dem sie sich unwohl fühlt, oder gar schämt, hat sie die Möglichkeit, die Notbremse zu ziehen.

Männer können sich in der Regel darauf verlassen, dass die Begleiterin gut angezogen ist, auch wenn deren Freundinnen das anders sehen. Die härtesten Fälle: Auf dem vorletzten ADAC-Ball hatte eine Frau ein rosa gefärbtes Hochzeitskleid an. Unvergessen ist der Auftritt einer Frau in Turnschuhen auf dem Presseball, die sichtbar wurden, als sie die Rolltreppe betrat und das Kleid ein wenig hochhob. Aber die Turnschuhe gingen als wohlkalkulierter PR-Gag durch, die Fotos in den Zeitungen waren der Frau sicher. Es gibt Männer, die eine Frau zum Ball einladen, ohne ihr vorher ein Ballkleid gekauft zu haben. Das musste vor dem letzten Bundespresseball ein Mann bitter erfahren. Die Angebetete, mit der er sich sehen lassen wollte - es war nicht seine eigene Frau -, ließ ihn einfach sitzen. Als er sie abholen wollte, ließ sie ihm durch ihre Tochter ausrichten, dass sie an diesem Abend etwas Anderes vorhabe.

Dabei kann sich eine Frau sehr wohl mit einem Kleid sehen lassen, das sie schon einmal getragen hat. Es sei denn, sie ist eine Prominente. Es macht sich nicht sehr gut, auf dem Höhepunkt der Ballsaison jedes Wochenende das Gleiche zu tragen. Für 800 bis 1200 Mark gibt es schöne Ballkleider zu kaufen, und je schlichter der Schnitt ist, umso edler wirkt das Kleid. Dabei kann es ratsam sein, sich das Outfit der Stars bei der letzten Oscar-Verleihung im Fernsehen oder auf Zeitungsfotos angesehen zu haben.

Höflichkeit ist Männersache

Ein kleines Plädoyer gegen die Höflichkeit: Männer sollten höflich sein, Frauen im Zweifelsfall nicht. Viele Frauen fühlen sich unwohl, wenn sie nur aus Höflichkeit mit einem Mann tanzen, der sie aufgefordert hat. Manche erzählen sogar, sie hätten sich hinterher erniedrigt gefühlt, weil sie etwas getan haben, was sie nicht wollten. Es gibt mehrere Möglichkeiten, einen Korb zu geben, ohne dass der Mann sein Gesicht verliert: "Ich ruhe mich gerade aus, vielen Dank." Oder: "Ich warte auf meinen Mann, vielen Dank." Bleibt der Auffordernde hartnäckig, oder argumentiert er, kann die Frau ihren Satz - im Notfall mehrfach - wörtlich wiederholen, als ob er sie akustisch nicht verstanden habe. Es ist völlig okay, einen Korb zu geben. Es trifft die Richtigen.

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