Ballsaison : Wuseln, kreiseln, gleiten

Die Ballsaison bringt regelmäßig Fragen von existenziellem Gewicht mit sich: Wo lerne ich schnell noch tanzen? Wie lang sollten die Socken sein? Wie gewellt die Locken? Einige Tipps.

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Eins zwei drei, eins zwei drei. In diesem Jahr dominieren feenhafte Ballkleider, aber der Prinzessinnen- und Pinguinlook geht eigentlich immer.
Eins zwei drei, eins zwei drei. In diesem Jahr dominieren feenhafte Ballkleider, aber der Prinzessinnen- und Pinguinlook geht...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Manche Fettnäpfchen sind leicht zu umgehen. Ein saloppes „Können Sie tanzen?“ zum Beispiel ist noch immer keine gute Alternative zum höflichen „Darf ich bitten?“ Und das Jackett mit den dicken Schulterpolstern zieht gar nicht erst an, wer in diesem Kleidungsstück – die Arme erhoben, als würde er eine Tanzpartnerin führen – einen kurzen Blick in den Spiegel riskiert. Etwas Takt und Vorbereitung brauchen Ballfreunde also, möchten sie in dieser Saison auf dem Berliner Parkett eine gute Figur machen.

Das fängt bei den Tanzkünsten an. Da nur die wenigsten regelmäßig Tanzkurse besuchen, gibt es Kurzzeitangebote, um die Grundkenntnisse in Wiener Walzer, Foxtrott und Jive wieder aufzufrischen – auch wenn die entspannten Platzverhältnisse in den meisten Tanzschulen nur wenig mit der Realität auf so gut besuchten Veranstaltungen wie dem Bundespresseball am 26. November zu tun haben. Meist heißt es hier auf der Tanzfläche nämlich wuseln und kreiseln statt schweben und gleiten, und nur ausreichend Konzentration und ein gutes peripheres Sehvermögen vermeiden so manchen Zusammenstoß. Immerhin, ein Gutes hat das Gedränge, zumindest aus Sicht der weniger Geübten: Nur selten bleibt Platz für mehr als die Grundschritte. Und wer dann noch die Ledersohle seiner neuen Tanzschuhe mit einer Drahtbürste aufraut, wird aus tänzerischer Sicht auf dem glatten Parkett kaum in Schwierigkeiten geraten.

Optisch ist damit aber noch nicht alles getan. Denn außer über unvorteilhafte Schulterpolster kann man bei der Auswahl der passenden Garderobe über weitere Fallstricke stolpern. Das fängt für die Herren bei zu kurzen schwarzen Socken an, die der Tischgesellschaft ungewünschte Informationen über die Dichte, Farbe, Länge und den Kräuselgrad der Beinbehaarung ihres Trägers geben. Und reicht über wild gemusterte Fliegen und Einstecktücher bis hin zu bunten Armbanduhren. Für die farbigen Akzente am schwarzen Anzug, Smoking oder Frack gilt nämlich: Lieber sparsam einsetzen. Die Damen haben da wesentlich mehr Spielraum, auch wenn sie in jedem Fall auf kurze Röcke, allzu tiefe Dekolletés und eine zu enge Passform verzichten sollten. Ansonsten ist in Sachen Ballkleid fast alles erlaubt, was gefällt – und gerade modern ist. „In diesem Jahr bemerken wir einen großen Trend zum Feenhaften“, sagt Claudia Pfeiffer vom Braut- und Ballmodegeschäft Crusz in Mitte. Der gewünschte wehend leichte, märchenhafte Effekt wird durch viel Chiffon, hohe Taillen und großzügige Schulterpartien hervorgerufen. Besonders beliebt sind in dieser Saison Petrol- und Goldtöne. Und erneut der Klassiker Violett.

Fehlt nur noch die passende Frisur. Die meisten Herren erhalten sie durch einen kurzen Friseurbesuch und den Satz „Nur nachschneiden, bitte“. Für die Dame gestaltet sich die Angelegenheit etwas schwieriger. Vor allem, wenn sie im wahrsten Sinne des Wortes auf der aktuellen Welle mitschwimmen will. Denn Wellen sind in, weiß der Charlottenburger Friseur André Märtens. Er hat erst in dieser Woche Supermodel Tatjana Patitz mit dem Lockeneisen verschönt, als diese in Berlin eine neue Kosmetiklinie vorstellte. Wellen seien die Königsdisziplin des Friseurhandwerks, so Märtens. „Egal, ob man sich selbst daran versucht oder in den Salon geht: Man sollte immer eine Generalprobe einplanen“, empfiehlt er.

Denn schön ist nur, wer entspannt ist und sich wohl in seiner Haut fühlt. Wer diese Voraussetzungen mitbringt, wird nicht nur einen vergnüglichen Abend verleben. Er kann auch hoffen, dass er sich bei dem zweitliebsten Sport der Ballfreunde stets auf der richtigen Seite bewegt: Über die geschmacklichen Fehltritte anderer zu lästern, während man mit strahlendem Lächeln aneinander vorüberkreist.

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