Berlin : Bananen inklusive

Beim Blauen Band der Spree tanzen 2100 Paare um den Sieg

Christian Gödecke

Ein bisschen ist es an diesem Sonntagabend wie beim Einchecken in ein Hotel. Junge Frauen und Männer bahnen sich mit Koffern und Schminktäschchen den Weg in die Halle. Ein Bussi hier, ein Lachen da, man kennt sich. Doch die Paare sind keine Urlauber. Sie sind Tänzer.

Wie Denys Drozdyuk. Der 19-jährige Berliner war mit seiner Partnerin Polina Kolodizner schon dreimal Jugendweltmeister. Das „Blaue Band der Spree“ ist eines der ersten Turniere für Drozdyuk bei den Erwachsenen. Und eine Möglichkeit, vor heimischer Kulisse seinem Traum ein bisschen näher zu kommen: „Ich will Profi werden.“ Dafür trainiert er sieben Stunden täglich, siebenmal die Woche.

Heiko Hensel ist nicht ganz so ehrgeizig. Der 57-Jährige war mit seiner Frau aus Lübeck nur nach Berlin gekommen, um „ein bisschen zu trainieren.“ Hensel tanzt seit neun Jahren. Weil er „keine Lust auf Kegelbahnen“ hatte, suchte er eine sportliche Betätigung, die er mit seiner Frau ausüben kann. Hensel trainierte in der Seniorenklasse II und wurde am Ende sogar Zehnter.

Das traditionsreiche „Blaue Band“ in Siemensstadt fand in diesem Jahr zum 32. Mal statt. Die Tanz-Veranstaltung gehört mittlerweile zu den großen Ranglistenturnieren in Deutschland. Mehr als 2100 Paare hatten gemeldet, um in verschiedenen Leistungsklassen um den Sieg zu tanzen. Ein Rekord. Außerdem konnten die drei veranstaltenden Vereine zum ersten Mal Teilnehmer aus fünf verschiedenen Nationen begrüßen.

Für Thorsten Süfke sind solche Zahlen Beleg dafür, dass Berlin im Tanzsport einen hervorragenden Ruf hat. „Wir haben uns neben den ,German Open’ und ,Hessen tanzt’ etabliert“, sagt der Pressesprecher. Einen Grund für die Akzeptanz bei den Paaren sieht Süfke darin, dass die Organisatoren früher selbst Turniertänzer waren und so wissen, was für die Sportler gut ist. „Wir haben zum Beispiel als erster Veranstalter Wasser und Bananen für die Paare kostenlos gestellt“, sagt Süfke. Den hohen Zuspruch beim Publikum erklärt sich der Pressesprecher damit, dass „wir Wert auf eine sehr familiäre Atmosphäre legen. Alle Altersgruppen sind vertreten“.

Andere sagen, auch Paul Seefeldt sei ein Grund. Er ist sozusagen die gute Seele des Turniers. Der 57-Jährige war früher selbst Tänzer. Heute hat er mit seiner Frau einen Stand beim „Blauen Band“ und verkauft „alles, was die Tänzer brauchen“. Seit mittlerweile neun Jahren. Und wenn ein Tänzer mal ein Loch im Schuh hat, dann hilft eben Seefeldt. Als Zuschauer ist er schon seit 1973 dabei. Seit damals schätzt er die Atmosphäre: „Das ist wie bei ’ner Familienveranstaltung.“

Auch Kathrin Dehme gehört zur Verwandschaft. Die Studentin aus Hamm verpasst kein Turnier beim Blauen Band und tippt von der Tribüne aus die Siegerpaare. Bisher hat die 23-Jährige, die selbst seit zehn Jahren tanzt, alle Gewinner richtig vorhergesagt. Doch beim Ranglistenturnier am Sonntagabend irrte sie zum ersten Mal. Sie sah das Paar mit der Startnummer 41 klar vorn. „Die harmonieren perfekt. Wahnsinn.“ Nach fünf Runden Chachacha, Rumba, Samba, Paso Doble und Jive gewinnen jedoch Timo Kulczak und Motshegetsi Mabuse mit der Nummer 22. Paar 41 wird Dritter. Es sind Denys Drozdyuk und Polina Kolodizner. „Ich bin nicht unzufrieden. Vor einem Jahr waren wir hier Vierte. Das ist doch eine Verbesserung“, sagt Denys. Nach der Siegerehrung hat es das Paar dann eilig. Beide wollen noch in die Diskothek 90 Grad. Tanzen.

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