Berlin : Bande stiehlt hunderte Navigationsgeräte

Litauische Autoknacker werden offenbar auf Bestellung aktiv – vor allem in Zehlendorf

Werner Schmidt

Sie stehlen Navigationsgeräte und sind doch kaum zu orten: Hauptsächlich litauische Autoknacker haben im vergangenen halben Jahr in Lichtenrade, Lankwitz und Lichterfelde sowie Dahlem und Wannsee zahllose Autos geknackt und blitzschnell die Navigationssysteme ausgebaut. Der Schaden beträgt mehrere hunderttausend Euro. Seit Jahresbeginn sind hier bereits rund 400 Satellitennavigationssysteme zum Durchschnittspreis von 1000 bis 1500 Euro verschwunden – durchschnittlich zwei jede Nacht. Die Kripo jagt die Autoknacker inzwischen mit einer Sonderermittlungsgruppe. Inzwischen konnten die Zivilfahnder schon 15 Litauer festnehmen. Gegen neun wurden Haftbefehle erlassen, sagte ein Ermittler. Sie waren alle als Touristen nach Deutschland eingereist und wohnten in Brandenburg nahe der Stadtgrenze.

Die Autoknacker klauen offenbar auf Bestellung und mit Vorliebe aus Mercedesfahrzeugen der A- und C-Klasse. Dabei gehen sie zuerst mit roher Gewalt vor: Entweder sie schlagen in den frühen Morgenstunden die Seitenscheibe ein und bauen innerhalb weniger Sekunden das Gerät aus oder sie knacken das Türschloss. Dabei schreckt auch eine Alarmanlage die Täter nicht. Anschließend fliehen sie auf Fahrrädern. Wo die Navigationssystem später landen, ist bisher ein Rätsel. Einige seien allerdings über das Internetauktionshaus Ebay aus dem Bereich Litauen angeboten worden, hieß es von der Polizei.

Von den festgenommenen Autoknackern hat die Polizei nicht viel erfahren. Sie schweigen eisern: „Es ist uns bisher nicht gelungen, an die Hintermänner heranzukommen“, bedauerte der Ermittler.

Wie in anderen Fällen auch: Monatelang baute eine polnische Bande im Bereich Cottbus, Forst und Guben (Brandenburg) die Airbags fachmännisch aus Autos aus. Anfang des Jahres nahmen die Ermittler der Brandenburger Kripo und des BGS die sieben Täter fest. Die Hintermänner kamen ungeschoren davon. Im Februar stellte die Polizei an der Damerowstraße in Pankow drei 19 und 24 Jahre alte Männer – im Gepäck hatten sie zehn Mercedes-Rückspiegel. Alle waren ordentlich abmontiert und sollten als preiswerte Ersatzteile verkauft werden.

Wegen der vielen aufgebrochenen Autos wird die Polizei in Zehlendorf jetzt aktiv: Heute gibt sie zwischen 11 und 16 Uhr an der Breisgauer Straße Ecke Matterhornstraße Tipps, wie man sein Auto schützen kann: Den Wagen möglichst nicht in unbeleuchteten Nebenstraßen parken und – falls vorhanden – die Garage benutzen. Gleichzeitig bitten die Fahnder die Anwohner, auf Verdächtige zu achten. Sollte jemand mit einer Taschenlampe in ein Fahrzeug leuchten, sollte man misstrauisch werden und über den Notruf 110 die Polizei benachrichtigen.

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