Berlin : Banden richten immer mehr Schaden an

Ihre Gesamtzahl aber ist gesunken – Bericht zur Organisierten Kriminalität 2004 vorgestellt

Tanja Buntrock

Die so genannte Hammerbande hat in den vergangenen Jahren mehr als 20 Juwelierläden ausgeraubt und einen Schaden in Millionenhöhe angerichtet. Eine polnische Autoschieberbande hat Luxuskarossen an Flughäfen und in Tiefgaragen edler Hotels gestohlen und nach Osteuropa verschoben. Und in Litauen haben Geldfälscher vornehmlich 50Euro-Noten kopiert, um sie in Berlin unter das Volk zu bringen.

All dies sind Beispiele von Straftaten aus der „Organisierten Kriminalität (OK)“, die von der Polizei und Justiz im vergangenen Jahr aufgeklärt werden konnten. Gemeinsam mit Polizeipräsident Dieter Glietsch und Justizsenatorin Karin Schubert (SPD) stellte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) am Montag den Lagebericht zur Organisierten Kriminalität für 2004 vor und folgerte: „Den Behörden ist es gelungen, die Organisierte Kriminalität in Grenzen zu halten. Wir verzeichnen einen leicht rückläufigen Trend.“ So registriert die OK-Statistik für 2004 insgesamt 84 organisierte Tätergruppen, so genannte „Ermittlungskomplexe“. Dazu gehören rund 1400 ermittelte Tatverdächtige aus 42 Staaten. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es noch 92, und im Jahr 2000 zählte die Statistik gar 130 dieser OK-Tätergruppen.

Doch dass deren Zahl etwas zurückgegangen ist, heißt noch lange nicht, dass die OK in der Stadt zurückgedrängt werden konnte. Denn: Die gemeldeten Schadenssummen, die durch solche Taten entstanden sind, stiegen im vergangenen Jahr von 35 auf 49 Millionen Euro. Und die Kriminellen haben ihre Gewinne von 22 auf 33 Millionen Euro steigern können. So gibt es also weniger organisierte Tätergruppen in der Stadt, doch sie richten mehr Schaden an als früher. Den Schwerpunkt der Organisierten Kriminalität macht mit rund einem Viertel der Taten der Rauschgifthandel und -schmuggel aus. Die Täter stammen hier meist aus der Türkei, Deutschland und dem Libanon. 28 organisierte Gruppierungen sind in diesem Bereich aktiv. Geschmuggelt werden vor allem Kokain, Cannabisprodukte und Heroin.

An zweiter Stelle folgt das, was unter „Eigentumskriminalität“ zusammengefasst wird. Hier dominiert vor allem die Kfz-Verschiebung. Die Täter sind meist Deutsche. Die hochwertigen Autos werden in Deutschland gestohlen und nach Litauen, in die Ukraine, aber auch nach Polen oder Marokko und Syrien verschoben. Dabei schaffen es die Täter, die elektronischen Wegfahrsperren der neuesten Generation zu überwinden. Gelingt das nicht, sind die Täter zunehmend bereit, Gewalt anzuwenden, um an die Nobelfahrzeuge zu gelangen.

Die Wirtschaftskriminalität richtet innerhalb der OK mit rund 25 Millionen Euro den größten Schaden an. Hier sind 14 Gruppierungen aktiv: Dabei wird dieses Feld erstmals nicht mehr von Deutschen, sondern nun von Kamerunern dominiert. Die Täter konzentrieren sich vor allem auf Kontoeröffnungs- und Überweisungsbetrug sowie den Missbrauch von Scheck- und Kreditkarten.

Körting lobte das Zusammenspiel mit der Polizei und der Justiz im benachbarten europäischen Ausland. „Kriminalität kennt keine Grenzen“, sagte der Innensenator. Daraus ließe sich für Polizei und Justiz ebenfalls folgern, dass weiterhin grenzübergreifend zusammen gearbeitet werden müsse. So wie im Fall der „Hammerbande“: Die Täter, die aus Polen stammten, konnten nur durch die Kooperation der deutschen und polnischen Behörden dingfest gemacht werden.

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