Berlin : Bank vergab Kredite ohne Sicherheiten

Untersuchungsausschuss: Warnungen wurden ignoriert

Sabine Beikler

Einen weiteren Stein kann der Berliner Untersuchungsausschuss nach der Sitzung am Freitag in das Puzzle zur Aufklärung der Berliner Bankenaffäre einsetzen. Die Landesbank Berlin (LBB) hat offenbar Kredite an die IBG, die frühere Immobilientochter der Bankgesellschaft, vergeben – wobei das Risiko wiederum bei der LBB blieb. Und wenn sich die LBB-Gremien doch einmal gegen eine Kreditvergabe ausgesprochen hatten, dann half die Berliner Bank aus: Dort gab es eine Kreditlinie über rund 715 Millionen Euro (1,4 Milliarden Mark), auf die die IBG und die vielen Gesellschaften, die als Kreditnehmer fungierten, zurückgreifen konnten. Der besondere Clou an der Sache: Für diese Kreditlinie brauchte man offenbar keine Absicherung. „Diese so genannte Vorratskreditlinie konnte ohne Grundschuldbestellung abgeschöpft werden“, sagte der Ausschussvorsitzende Frank Zimmermann (SPD). Die IBG gehörte damals der LBB und der Berlin Hyp zu je 30 sowie der Bankgesellschaft zu 40 Prozent.

Bankinterne Warnungen wegen riskanter Kredite wurden vom Tisch gefegt. „Bei kritischen Voten entschieden die Bankvorstände oder die IBG-Aufsichtsräte“, sagten Zimmermann und die Grünen-Politikerin Barbara Oesterheld. Letztlich schaufelte sich die Bankgesellschaft ihr eigenes Grab. Die Banken kamen mit den Zuzahlungen nicht mehr hinterher: Am Ende landete das Geld bei den Fondsgesellschaften – und die wurden bekanntlich mit Traumbedingungen angekurbelt: Für die Immobilienobjekte gab es Mietgarantien bis zu 25 Jahren. Null Risiko für die Anleger, denn die Bank übernahm durch Freistellungserklärungen die Risiken.

Der Zeuge Lars Lehniger war früher Vorstandsassistent von Wolfgang Rupf, Ex-Vorstandschef der Bankgesellschaft. Lehniger arbeitet heute bei der Berlin Hyp im Vorstandssekretariat. Ob Rupf über Kreditvergaben informiert gewesen sei, wann er von Freistellungserklärungen erfahren habe, wollte der Ausschuss wissen. Lehniger konnte sich immerhin daran erinnern, dass Rupf davon im März 2001 erfahren haben soll. Woher? „Aus der Presse. Aber er ist wie immer nie aus der Haut gefahren.“

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