• Bankchefs außer Kontrolle: Selbstbedienung bei den Villen Aufsichtsrat wurde über den Kauf der Luxushäuser für Vorstände nicht informiert

Berlin : Bankchefs außer Kontrolle: Selbstbedienung bei den Villen Aufsichtsrat wurde über den Kauf der Luxushäuser für Vorstände nicht informiert

NAME

Von Ralf Schönball

Die Villa des früheren Vorsitzenden der Bankgesellschaft Wolfgang Rupf ist offenbar im Einvernehmen mit dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Edzard Reuter für insgesamt sechs Millionen Euro angeschafft und nach den Wünschen von Rupf ausgebaut worden. Nach Erkenntnis von Reuters Nachfolger Dieter Feddersen waren die anderen Mitglieder des Kontrollgremiums über den Vorgang nicht informiert. Das geht aus einem internen Brief Feddersens vom 5. Juni 2000 hervor, der dem Tagesspiegel jetzt zugespielt wurde.

Erst als Rupf bereits in der Villa wohnte und Reuter als Aufsichtsratsvorsitzender ausgeschieden war, befasst sich das Kontrollgremium erstmals mit der Angelegenheit. Dabei wurde festgestellt, dass es in der Bankgesellschaft keinerlei Regeln für die Vergabe von Vorstandsvillen von Spitzenmanagern gab. Auch in anderen Fällen wurde der Aufsichtsrat über die Anschaffung, die Vergabe und luxuriöse Ausstattung der Villen nicht informiert.

Für Rupfs Villa waren ursprünglich Baukosten von rund zwei Millionen Euro geplant. Am Ende standen mehr als vier Millionen Euro auf der Rechnung – dazu kamen die Anschaffungskosten in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Die Miete, die Rupft zahlte, reichte nicht einmal, um die Zinsen für das Objekt für zu begleichen.

Reuter schied am 26. Mai 1999 aus dem Kontrollgremium aus. Sein Nachfolger Feddersen erklärte, der Aufsichtsrat müsse sich nun „mit der Sache und Rechtslage der Bankimmobilien insgesamt vertraut machen.“ Ziel sei es, „gegenüber Herrn Dr. Rupf eine Regelung in Kraft zu setzen, an der es bis zu diesem Zeitpunkt mangelte“.

Der dazu eingerichtete Arbeitsausschuss stellte fest, dass auch Vorstände der Konzerntöchter Berlin Hyp, Berliner Bank sowie Landesbank Berlin Villen im Eigentum der Bank nutzten, ohne dass Beschlüsse der zuständigen Aufsichtsräte in dieser Sache aufzufinden seien. Unerklärlich waren auch die unterschiedlich hohen Mieten für die im begehrten Südwesten der Stadt liegenden Immobilien. Feddersen bat Sachverständige, die Wohnflächen der insgesamt 19 privat genutzten Bankenvillen zu überprüfen. Ergebnis: Fast alle Bankvorstände zahlten zu wenig für das schöne Wohnen in den Immobilien ihrer Arbeitgeber.

Noch zu Reuters Zeiten hatte Rupf angeboten, der Bankgesellschaft die in seinem Auftrag erworbene und umgebaute Villa abzukaufen. Erneut wandte er sich an Edzard Reuter. Sein Angebot: 2,5 Millionen Euro – 3,5 Millionen Euro weniger, als die Bank kurz zuvor bezahlt hatte.

Doch Edzard Reuter legte sein Mandat im Aufsichtsrat der Bankgesellschaft nieder, bevor Rupf das traumhafte Geschäft zum Abschluss bringen konnte. Der damalige Bankenchef musste noch einen Anlauf nehmen. Im Juli 1999, kurz nach dem Weggang von Reuter, wiederholte er sein Angebot vor dem eigens eingerichtete Arbeitsausschuss zu den Vorstandsvillen. Doch er scheiterte, als die damalige Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing von der unkontrollierten Vergabe von Villen an die Spitzenbanker erfuhr. Sie gab zu Protokoll: Von den „Hausregelungen“ sei sie nicht unterrichtet gewesen. Sie belegte die Beteiligten mit der schärfsten Rüge: ihre Missbilligung der Vorgänge.

„Der Aufsichtsratschef hat nach Gutsherrenart gehandelt“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Peter Schwintowski. Nach Paragraf 87 Aktiengesetz, so der Experte, hätte der gesamte Aufsichtsrat über den Erwerb der Villen und deren Vermietung an die Vorstände abstimmen müssen. Denn das Kontrollgremium und nicht der für den Rat sprechende Vorsitzende entscheide über die Höhe der Bezüge von geschäftsführenden Vorständen. Erwerb und Ausbau privat genutzter Vorstandsvillen seien als „Nebenleistungen“ Teil der Gehälter.

Ob die Umgehung des Kontrollgremiums bei Erwerb und Ausbau der Villen den strafrechtlichen Tatbestand der Untreue erfülle, hänge davon ab, ob das Gremium der Villenregelung nachträglich zugestimmt habe oder nicht. Gegen Aufsichtsräte ermittelt die Staatsanwaltschaft bisher noch nicht.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar