Berlin : Bankenaffäre: Noch keiner sitzt in Haft Heute plädieren Landowskys Verteidiger

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Für drei Jahre soll Klaus Landowsky ins Gefängnis, wenn es nach der Anklägerin im Prozess um den Bankenskandal geht. Oberstaatsanwältin Vera Junker plädierte am Mittwoch nicht allein im Fall des früheren Bank-Managers und CDU-Fraktionschefs für eine Haftstrafe ohne Bewährung. Der frühere Vorstand der Berlin- Hyp, Klaus-Jürgen Noack, soll laut Junkers Plädoyer sogar für vier Jahre in Haft, um für die angeblich pflichtwidrige Vergabe von Millionenkrediten zu büßen.

Wie das Verfahren ausgeht – darüber kann heftig spekuliert werden. Am heutigen Freitag beginnen die Verteidiger der insgesamt dreizehn Angeklagten mit ihren Plädoyers. Im Landgericht rechnet man frühestens Ende Januar mit einem Urteil. Landowskys Verteidiger sagte nach dem Plädoyer, er und sein Mandant würden weiter mit einem Freispruch rechnen.

Verurteilungen gab es in den Verfahren gegen Beteiligte am Bankenskandal bisher kaum. Die beiden wichtigsten Kreditnehmer der Berlin-Hyp, die Aubis- Manager Klaus Wienhold und Christian Neuling, sind im März 2002 wegen Betrugs angeklagt worden. Das Verfahren gegen Wienhold wurde zuerst wegen dessen gutachterlich festgestellter Verhandlungsunfähigkeit ausgesetzt. Der zweite Angeklagte, Christian Neuling, machte ebenfalls Verhandlungsunfähigkeit geltend. Dann fiel einem Staatsanwalt auf, dass Neuling fit genug war, um im September den Berlin-Marathon erfolgreich zu absolvieren. Der Ex-Manager wurde nun zum dritten Mal untersucht – mit dem Ergebnis, dass er zumindest derzeit zu krank sei, um im Gerichtssaal zu sitzen.

Ein Versuch der Berlin-Hyp, vier frühere Manager auf Schadenersatz zu verklagen, scheiterte im März 2005 vor dem Kammergericht. Seit dem Mai 2005 stehen auch die ehemaligen Bank-Manager Wolfgang Rupf und Manfred Schoeps wegen Untreue vor Gericht. Verurteilt sind bislang zwei frühere Manager: wegen falscher Bilanzangaben. Die beiden ehemaligen Vorstände mussten Geldstrafen in Höhe von 90 000 Euro beziehungsweise 59 400 Euro bezahlen – der Bundesgerichtshof hat diese Strafen im März 2006 bestätigt. Zwei Bank-Mitarbeiter legten in der Hauptverhandlung Geständnisse ab. Gegen Geldstrafen sollten die Verfahren eingestellt werden. wvb.

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