• Bankenprozess: Vom Gutachter sehen sich alle Seiten bestätigt Anklage und Verteidigung legen Zeugenaussage jeweils zu ihren Gunsten aus

Berlin : Bankenprozess: Vom Gutachter sehen sich alle Seiten bestätigt Anklage und Verteidigung legen Zeugenaussage jeweils zu ihren Gunsten aus

Leere Zuschauerbänke bei Landowsky und seinen Kollegen von der Berlin Hyp

Katja Füchsel

Nichts zu machen. In diesem Leben kommen Anklage und Verteidigung vermutlich nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner. Zwei Tage lauschten sie im Prozess um den Bankenskandal den Ausführungen des damaligen Gutachters – und kommen doch zu völlig unterschiedlichen Schlussfolgerungen. „Nach der Aussage des hochqualifizierten Sachverständigen ist nichts vom Vorwurf der Anklage übrig geblieben“, sagt beispielsweise Wolfgang Müllenbrock, der im Prozess den ehemaligen Bankmanager und CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky vertritt. Die Bilanz der Staatsanwältin klingt da ganz anders, sie spricht im Moabiter Kriminalgericht von „unbekümmerten Vergleichen“ des Gutachters, einer „gewissen Oberflächlichkeit“ und „nicht glaubhaften“ Angaben. Ihr Fazit: „Die Angeklagten konnten sich nicht auf das Gutachten verlassen“, sagt Vera Junker.

Es ist still geworden um den Bankenprozess. Im vergangenen Juli, als sich die 13 Ex-Manager zum ersten Mal auf der Anklagebank niederließen, gab es vor dem Saal 700 noch eine Sicherheitsschleuse. Jeder Besucher wurde gefilzt, jeder Angeklagte ins Blitzlichtgewitter der Fotografen getaucht. Am gestrigen Verhandlungstag hat sich kein einziger Zuhörer mehr in den Saal verirrt. Die Pausen verbringen die Angeklagten jetzt nicht mehr geschützt im Saal, sondern sie stehen plaudernd im Gang, rauchen oder trinken Kaffee aus Plastikbechern. 15 Verhandlungstage liegen hinter ihnen, 17 weitere hat das Gericht bis Mitte Februar angesetzt. Halbzeit? Das vermag bislang noch niemand vorherzusagen.

Das Ringen um die Wahrheit ist ein zäher Prozess. Laut Anklage sollen die 13 ehemaligen Spitzenmanager der Berlin Hyp dafür verantwortlich sein, dass man der Immobilienfirma Aubis über 235 Millionen Euro unzureichend gesicherter Kredite überwies. Mit Hilfe der Berlin Hyp hatte Aubis in den 90er Jahren Plattenbau-Siedlungen in Ostdeutschland gekauft. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten – darunter auch die früheren Chefs der Bankgesellschaft Wolfgang Steinriede und Wolfgang Rupf – Untreue in besonders schwerem Fall vor. Die umstrittenen Immobiliengeschäfte der Bankgesellschaft und ihrer Tochterfirmen lösten den Bankenskandal aus, der 2001 zum Bruch der großen Koalition führte.

Manfred S. hat eine stolze Vita vorzuweisen, seit Jahrzehnten ist der Architekt als Gutachter tätig. Manfred S. war es, der für die Berlin Hyp die Plattenbauten inspizierte, bevor er Nutzungsdauer, Ertrags- und Beleihungswert errechnete. Die Anklägerin kritisiert hier „erhebliche Divergenzen“, doch die rund 30 Verteidiger sind sich einig: „Die Berlin Hyp konnte und durfte sich auf das Gutachten verlassen.“ Als nächstes sollen die Sachbearbeiter der Bank als Zeugen gehört werden.

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