Bankenskandal : Verteidiger zweifeln an Zuständigkeit

Im Prozess um die Berliner Bankenaffäre haben sich die angeklagten Manager nicht zum Vorwurf der schweren Untreue geäußert. Stattdessen zweifelten ihre Verteidiger daran, dass das Gericht zuständig ist.

Berlin (03.08.2005, 14:00 Uhr) - Die Verteidiger stellten die am Mittwoch die Zuständigkeit der 36. Strafkammer des Berliner Landgerichts in Frage. Die Anwälte der angeklagten früheren Bankmanager warfen dem Gericht und der Staatsanwaltschaft am zweiten Verhandlungstag vor, die eigentlich für den Prozess zuständige 19. Wirtschaftsstrafkammer sei umgangen worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Ex-Bankern vor, darunter der frühere Berliner CDU-Fraktionschef und Hyp-Vorstand Klaus Landowsky, Mitte der 90er Jahre bei der Bewilligung von insgesamt 240 Millionen Euro Krediten an den Immobilienkonzern Aubis hohe Risiken nicht beachtet zu haben. Am Rande des ersten Verhandlungstages hatten Landowsky und mehrere andere Angeklagte ihre Unschuld beteuert.

Verteidiger Robert Unger sagte, es sei "gerichtsbekannt, dass die Staatsanwaltschaft mit der 19. Kammer extrem unglücklich ist". Unger vertritt einen Ex-Abteilungsleiter der Bankgesellschafts-Tochter Berlin Hyp. Die Begründung des Gerichts, dass die 19. Kammer wegen Überlastung den Prozess nicht führen könne, ist nach Meinung der Anwälte nur ein Vorwand.

Um den Vorgang zu erhellen, will die Verteidigung unter anderen den Präsident des Landgerichts, Peter-Joachim von Drenkmann als Zeugen vernehmen. Bis zum nächsten Verhandlungstermin am 12. August will das Gericht über die Einwände entscheiden. Erst danach können die Angeklagten mit ihren Erklärungen zu den Untreue-Vorwürfen bei der Vergabe von Millionenkrediten beginnen. Unklar ist aber, ob sich alle 13 früheren Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder äußern. (tso)

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