Berlin : Bankgesellschaft Berlin: Steuerzahler müssen zahlen, die Aubis-Chefs verdienen

Ralf Schönball

Durch das Engagement bei der Aubis-Gruppe drohen der Berlin-Hyp rund 200 Millionen Mark Verluste, dennoch zieht die Tochter der Berliner Bankgesellschaft die Aubis-Chefs nicht persönlich zur Verantwortung. Mehrere Versuche, das Privatvermögen von Christian Neuling und Klaus Wienhold zur Schuldentilgung heranzuziehen, sollen innerhalb der Bankgesellschaft blockiert worden sein. Dies geht aus Unterlagen hervor, die dem Tagesspiegel vorliegen.

Die Aubis-Chefs besitzen Immobilien und Grundstücke im Wert von sieben Millionen Mark. Die Bank könnte deshalb die Verwertung dieser Objekte zur Schuldentilgung betreiben. Tatsächlich aber heißt es in einem Bericht für den Aufsichtsrat der Bankgesellschaft: "Nach Auffassung des Prüfers ist ein Wertberichtigungsbedarf in Höhe von DM 214 Mio. erforderlich. Dabei wird eine auf Privatgrundstücken der Herren Wienhold und Neuling eingetragene Grundschuld von DM 7 Millionen außer acht gelassen." Die beiden Unternehmer verdienten nach Schätzungen des früheren Berlin-Hyp-Chefs Jürgen Noack 17 bis 18 Millionen Mark an umstrittenen Plattenbau-Geschäften.

Der Bericht für den Aufsichtsrat hält weiter fest, dass "umfangreiche Verträge geschlossen" wurden "mit dem Ziel der Insolvenzvermeidung der Aubis-Gruppe". Im Rahmen dieser Verträge übernahm die Bank Verwaltung und Management der Plattenbaubestände. Dabei bleibt ein Teil der Immobilien formal im Besitz der Aubis-Chefs. Als diese Verträge geschlossen wurden, sollen die Aubis-Chefs eine persönliche Haftung übernommen haben. Sie wird aber nur dann wirksam, wenn die Verwaltungsgesellschaft Aubitec / WSAG zahlungsunfähig ist. Dies ist freilich schon seit einiger Zeit der Fall. Denn die Einnahmen bestehen aus Mieten der ehemaligen Aubis-Plattenbauten. Davon muss das Unternehmen die Zinsen für Millionen-Kredite sowie Ausschüttungen an einen Immobilien-Fonds der Bankengruppe zahlen. Doch in den Plattenbauten beträgt der Leerstand nach bankinternen Angaben über 35 Prozent.

Deshalb muss die Bankgesellschaft die täglich steigenden Schulden der Verwaltungsgesellschaft bezahlen. Nach Experten-Schätzungen kostet sie das rund acht Millionen Mark jährlich. Da der Berliner Bankenkonzern und die darin eingebundene Berlin-Hyp mehrheitlich dem Land gehört, zahlt der Steuerzahler die Zeche. Warum die Bank bisher auf eine Vollstreckung der auf die Privatgrundstücke von Wienhold und Neuling eingetragenen Grundschuld von sieben Millionen Mark verzichtet, können Insider nicht schlüssig erklären.

Gemutmaßt wird, dass wie schon bei der Kreditzusage und bei der Sanierung der Aubis-Gruppe, auch hierin nicht die sonst banküblichen Verfahren eingehalten werden, weil andere Interessen im Spiel sind. Für die Millionen-Kredite bekam Aubis eine "Grundsatzzusage", obwohl deren Chefs kein Eigenkapital hatten und ihr Geschäftskonzept die regulären Prüfungsverfahren nicht durchlaufen war.

In einem Gespräch mit dem Tagesspiegel hatten die Aubis-Chefs Neuling und Wienhold zu diesen Vorgängen gesagt, dass sie keine Schulden mehr hätten - von einem kleinen Darlehen der Berliner Bank abgesehen. Die Immobilien-Darlehen der Berlin-Hyp seien zurückgezahlt.

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