Berlin : Bankgesellschaft: Fondsanleger können Rendite verlangen

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Jährlich 300 Millionen Euro, so die Rechnung von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), wird das Land Berlin bereithalten müssen, um die Risiken aus dem Immobilienbereich der Bankgesellschaft abdecken zu können. Diese bereits von seiner Vorgängerin Christiane Krajewski im vergangenen November abgebene Garantieerklärung kann das Land nach gegenwärtigen Erkenntnissen bis zum Jahr 2030 bis zu 3,73 Milliarden Euro kosten. Sarrazin räumte ein, dass das "gesunde Volksempfinden" doch einfach fordern würde, die IBAG/IBV, also die Fondsgesellschaften der Bankgesellschaft mit ihren Garantien in die Insolvenz zu schicken, und so die Kapitalgeber an den Risiken zu beteiligen.

Wenn das so einfach wäre! Bis zum 31. Dezember 1998 hat die Bankgesellschaft das so genannte Patronat über alle Fonds der IBV übernommen. Beim allergrößten Teil der Fonds muss sie also im Falle einer "Pleite" der Gesellschaften einspringen. Über die Regelung für die wenigen Fonds, die danach aufgelegt wurden, streiten sich die Juristen. Doch auch hier steht die Bankgesellschaft aller Voraussicht nach in der Pflicht. Es gibt Ergebnisabführungsverträge der Fondsgesellschaften mit der Bankgesellschaft, auf die sich die Anleger berufen könnten. Die Anleger können also auch in diesen Fällen von der Bankgesellschaft ihre Rendite verlangen. "Das Ganze ist wie ein Tannenbaum aufgebaut", sagt man beim Finanzsenator. Ergebnis: Die Bankgesellschaft Berlin AG müsste im schlimmsten Fall Insolvenz anmelden.

Doch schon bei eriner Insolvenz von IBAG/IBV wären rund 700 Arbeitsplätze bedroht. Für die betroffenen Mitarbeiter müssten Sozialpläne augestellt werden. Schließlich müssten auch die Immobilienen in irgendeiner Form "verwertet" werden. Aber Notverkäufe drücken bekanntlich den Preis.

Da scheint die Garantieerklärung durch das Land in der Tat der bessere Weg. Die Risiken bei der IBAG/IBV betreffen Fonds mit und ohne Mietgarantien und die Vorratsvermögen der Fonds. Also beispielsweise Grundstücke, die die Fonds in Erwartung guter Geschäfte bereits gekauft haben. Insgesamt hat der Konzern Bankgesellschaft über seine 100-prozentigen Töchter IBAG/IBG 54 Immobilienfonds aufgelegt. 23 von ihnen sind mit einer Mietgarantie ausgestattet. Und die Bankgesellschaft verweist ferner darauf, dass immerhin 40 der Fonds die im Prospekt genannten Renditen erwirtschaften. Etwa Fonds, deren Gebäude für 25 Jahre an Siemens oder C &A vermietet seien.

Bei einem Teil der Fonds sind die Risiken also begrenzt. Doch auch dies ändert nicht an den enormen Summen, die im Falle des Worste-Case - im schlimmsten denkbaren Fall - fällig würden: Stünden alle Immobilien der Fonds auf Dauer leer, könnten allein die Mietgarantien elf Milliarden Euro erreichen. Müssten alle Grundstücke und die darauf stehenden Gebäude auf einen Wert von null Euro abgeschrieben werden, würde dies weitere rund 3,5 Milliarden Euro bedeuten.

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