• Bankgesellschaft: Immobilienchef deckte sich günstig mit Häusern ein Manfred Schoeps durfte Objekte aus Konzernbestand zum Einkaufspreis übernehmen

Berlin : Bankgesellschaft: Immobilienchef deckte sich günstig mit Häusern ein Manfred Schoeps durfte Objekte aus Konzernbestand zum Einkaufspreis übernehmen

Ralf Schönball

Der langjährige Chef der Immobilientöchter der Bankgesellschaft Berlin, Manfred Schoeps, hat von seiner Tätigkeit für den Konzern auch privat profitiert. Aus den Großeinkäufen von Immobilien, die für die umstrittenen Fonds der Bank bestimmt waren, hat er einzelne Objekte in sein privates Vermögen übernommen. Auf diese Weise erwarb er Immobilien im Wert von rund 35 Millionen Euro während seiner knapp zehnjährigen Tätigkeit im Bankenkonzern. Für alle diese Geschäfte hatte er nach seiner Darstellung die Zustimmung des Aufsichtsrates.

Auf der Liste von Immobilien, die Schoeps für seine Privatschatulle sicherte, stehen drei 1994 und 1995 erworbene Objekte. Dabei handelt es sich um Hotels und Geschäftshäuser im Hessischen Steinau sowie in den sachsen-anhaltinischen Oberröblingen und Mücheln. Hierfür soll er damals 3,35 Millionen Euro, 2,1 Millionen Euro und 1,45 Millonen Euro bezahlt haben. Am Prenzlauer Berg kaufte der Manager ein Objekt im Wert von 23 Millionen Euro. Dies bestätigte Schoeps auf Anfrage. Er habe die Objekte zu dem Preis erhalten, den die von ihm geführten Bankentöchter zuvor bezahlt hatte. Hinzu sei eine Gebühr gekommen. „Das war alles ganz genau geregelt“, so Schoeps.

Frank Zimmermann, der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zur Bankenaffäre, sagt: „Kein Wunder, dass die unrentablen Objekte bei der Bank hängen blieben, wenn Schoeps die Perlen für sich ausgesucht hat. Wenn ihm dies ohne Mitwisser gelungen ist, dann fresse ich einen Besen.“ Zimmermann (SPD) kündigte an, den Untersuchungsausschuss mit dieser Angelegenheit zu befassen. Der frühere Justizsenator Wolfgang Wieland (Grüne) sagte: „Hier hat ein Mitarbeiter des Bankenkonzerns in grotesker Weise die Gelegenheit gehabt, aus den Immobilienbeständen der Bankentochter die schönsten und preisgünstigsten Teile auf eigene Rechnung zu übernehmen.“ Wirtschaftlich stehe es außer Zweifel, dass der Manager die Fonds geschädigt habe, „indem er die Rosinen selbst vernaschte.“ Barbara Oesterheld, Mitglied des Untersuchungsausschusses, sagte: „Offensichtlich hat niemand den ungekrönten König des Immobilienimperiums kontrolliert und aufgehalten.“

Schoeps wies den Vorwurf zurück, er habe sich die Rosinen herausgepickt: „Das ist doch Blech.“ Die von ihm übernommenen Immobilien seien nicht besser als die anderen, die später in die Fonds der Bankgesellschaft gelangten. Er habe sich vertraglich das Recht einräumen lassen, Immobilien seiner Wahl aus den Beständen der Bankentochter zu erwerben. Im Übrigen habe der Aufsichtsrat seiner Gesellschaft jeden privaten Ankauf genehmigt.

Für die Kontrolle der von Schoeps geführten Firmen waren Manager der Bankgesellschaft sowie deren Töchterinstitute zuständig. Darunter waren die kürzlich wegen Bilanzfälschung von der Staatsanwaltschaft angeklagten früheren Landesbank-Manager Ulf-Wilhelm Decken sowie Jochem Zehlen. Die ersten Verträge mit Schoeps soll der frühere Landesbank- und Bankgesellschaftschef Hubertus Moser abgeschlossen haben.

Das von Schoeps geführte Fondsgeschäft trug zum Desaster bei der Bankgesellschaft bei. Nachdem bekannt worden war, wie hoch die damit verbundenen Risiken sind, musste das Land Berlin die Geschäfte verbürgen. Ohne diese Risikoübernahme des Landes hätte die Bankgesellschaft schließen müssen. Wie viele Steuergelder das Land für die Fonds noch ausgeben muss, hängt von Management und Qualität der von Schoeps für die Fonds erworbenen Immobilien ab.

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