• Bankgesellschaft: Nichts als eine "Kampagne von Links" - Christian Neuling und Klaus-Hermann Wienhold sind wieder im Gespräch

Berlin : Bankgesellschaft: Nichts als eine "Kampagne von Links" - Christian Neuling und Klaus-Hermann Wienhold sind wieder im Gespräch

Brigitte Grunert

Christian Neuling und Klaus-Hermann Wienhold gehören zu den alten Bekannten auf der Berliner politischen Bühne, die womöglich alte Rechnungen offen haben, falls es zum Untersuchungsausschuss kommt. Beide hatten zu Mauerzeiten Berliner CDU-Karriere gemacht. Seit einigen Jahren haben sie keine Funktionen mehr in ihrer Partei. Nun spielen ihre Namen im Zusammenhang mit den Immobiliengeschäften der Bankgesellschaft samt Töchtern eine Rolle.

Dabei geht es ja auch um die von Neuling und Wienhold 1991 gegründete Firma Aubis, deren Plattenbau-Sanierungen in den neuen Ländern und anschließende Verkäufe nicht klappten. Kredite über etwa 600 Millionen Mark soll die Berlin Hyp gegeben haben, die zur Bankgesellschaft gehört. Chef der Berlin Hyp ist der CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky. Wienhold und er seien aber selbst "nie im operativen Geschäft tätig gewesen", so Neuling. Beide sind derzeit die einzigen Aktionäre der Aubis-Immobilien AG; Wienhold ist Vorstandsvorsitzender, Neuling Aufsichtsratsvorsitzender.

Neuling (57) und Wienhold (51) waren früher einflussreiche Fraktionskollegen von Klaus Landowsky, der seit 1975 Abgeordneter ist. Neuling gehörte dem Parlament von 1979 bis 1987 an. Er war von 1984 bis 1987 Stellvertreter des damaligen Fraktionschefs Dankward Buwitt; er war CDU-Kreischef in Wedding und von 1977 bis 1989 Berliner Landesvorsitzender der Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung der CDU. Von 1987 bis 1994 gehörte er dem Bundestag an.

Ins Gerede kam der promovierte Diplom-Ingenieur Neuling Mitte der achtziger Jahre wegen des Vorwurfs, in seiner Chemie-Firma sei Altöl zu Heizöl gepanscht worden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Ölpanscherei wurden eingestellt. Neuling stellte damals Strafanzeige wegen übler Nachrede gegen SPD-Fraktionschef Walter Momper; das Verfahren wurde ebenfalls eingestellt. Neuling sagt: "Nachweislich wurde nicht gepanscht, es war eine Kampagne im Vorfeld der Wahl 1985."

Als Bundestagsabgeordneter geriet Neuling 1991 in den Verdacht, er habe sein Mandat zu Gunsten privater Geschäfte missbraucht. Es ging um die Kaufoption einer Neuling-Firma für ein Grundstück von der Treuhandanstalt in Seefeld, einem Nachbardorf von Werneuchen bei Berlin. Treuhand-Prüfer äußerten den Verdacht, die Kaufoption sei widerrechtlich zustande gekommen. "Es gab keinen Grundstückskauf", sagt Neuling. Wegen der Vorwürfe, die er strikt zurückwies, trat er am 29. Oktober 1991 als Vorsitzender des Unterausschusses Treuhand im Bundestag und als Aufsichtsratsmitglied seiner Minol AG zurück. Seither wurde es in der CDU still um Neuling. Noch heute spricht er von einer "Presse-Kampagne" gegen ihn.

Zur Bundestagswahl 1994 hat Neuling nicht mehr kandidiert. Das begründet der Unternehmer so: "Mein Traum der Einheit war in Erfüllung gegangen, so dass ich mich von der Politik verabschieden konnte." Er sei wegen der Erfahrung der Studentenrevolte in die Politik gegangen. Die Krawalle am 2. Juni 1967 beim Schah-Besuch mit den tödlichen Schüssen auf den Studenten Benno Ohnesorg nennt Neuling als Ausgangspunkt: "Ich habe auf der anderen Seite der Achtundsechziger gestanden", nämlich dafür gekämpft, Gewalt in der Gesellschaft nicht zuzulassen, und er habe sich für das große Ziel der Einheit engagiert. So erklärt sich Neuling die "Kampagnen" gegen seine Person, womit er offenbar Kampagnen von Links meint.

Wienhold war Kriminalbeamter, bevor er seit 1981 zunächst als persönlicher Referent beim damaligen Senator für Arbeit und Betriebe, Edmund Wronski (CDU), und zugleich Spandauer Bezirksverordneter ins Bild trat. 1985 wechselte er ins Abgeordnetenhaus, dem er bis 1995 angehörte. Zeitweilig war er dort Vorsitzender des Kontrollgremiums für den Verfassungsschutz. Von 1984 bis 1990 war er zudem CDU-Landesgeschäftsführer unter Generalsekretär Landowsky und Eberhard Diepgen als Parteichef. Von 1992 bis 1994 war er Mitglied der Geschäftsführung der Firmengruppe Gegenbauer (Gebäudereinigungen). Das Parlamentshandbuch weist ihn 1994 als Geschäftsführenden Gesellschafter der Aubis-Gruppe und als Gesellschafter einer Firma "WSN GmbH - Wirtschaftsberatung" aus.

Wienhold machte als agiler Parlamentarier von sich reden, unter anderem dadurch, dass er dem Verfassungsschutz seinen Neffen als möglichen Bewerber empfahl; der Neffe wurde eingestellt. Die Angelegenheit wurde unter der rot-grünen Koalition thematisiert.

Der damalige Innensenator Erich Pätzold (SPD) sprach vom einzigen Verfassungsschutz-Mitarbeiter auf Empfehlung eines Abgeordneten oder einer Partei. Als Aubis-Gesellschafter trat Wienhold auch beim Fußballclub Sachsen-Leipzig in Erscheinung; er war Sponsor und Vizepräsident des Vereins. Wienhold habe als Sponsor 2,2 Millionen Mark gegeben, hieß es. "Es war deutlich weniger", sagt Wienhold. Im Zuge einer Vereinskrise trat er 1997 als Vizepräsident zurück. Er habe mit dem Verein nichts mehr zu tun, sagt er.

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