Berlin : Bankkunden online geprellt Mutmaßlicher Banden-Chef vor Gericht

Ein kleines Licht, ein ahnungsloser Gehilfe will Mehmet C. gewesen sein. Er habe sich lediglich um Bank-Adressen und Öffnungszeiten gekümmert, beteuerte der 33-Jährige. Die Ermittler aber halten ihn für einen führenden Kopf einer Bande von Betrügern. Der Estrichleger soll gemeinsam mit Komplizen über ausgespähte Kontodaten Bankkunden um insgesamt 458 000 Euro geprellt haben. Weitere 250 000 Euro wurden zurückgebucht, bevor die Betrüger das Geld abheben konnten.

„Ich war auf keinen Fall der Chef“, erklärte der Angeklagte aus Neukölln. Drahtzieher und Hauptnutznießer des Schwindels mit Online-Überweisungen sei ein „Russe namens Igor“ gewesen. In dessen Auftrag seien mit gefälschten Pässen etliche Konten eröffnet worden. Überwiesene Summen wurden umgehend abgehoben. „Es wurde aber nicht darüber gesprochen, wo das Geld herkam“, behauptete der Angeklagte. Den Ermittlungen zufolge hatten andere Komplizen PIN- und TAN-Nummern ausspioniert.

Nach Version von Mehmet C. wurde er von einem Freund angeheuert und an einen Russen vermittelt, mit dem es wenig später ein Treffen gegeben habe. „Wenn ihr Konten eröffnet, schicke ich Geld“, habe Igor erklärt. Für die Ermittler blieb Igor bis heute ein Phantom. Der teilgeständige C. will weder falsche Papiere besorgt noch Konten eröffnet haben. Er habe lediglich einen Mittäter zur Bank begleitet, dann aber draußen gewartet. Für seine Dienste habe er fünf Prozent der jeweiligen Summe erhalten. Komplizen aber sollen die Rolle von C. ganz anders dargestellt haben. Demnach organisierte der gescheiterte Kleinunternehmer die Taten. Sein 38-jähriger Freund B. ist bereits zu einer Gefängnisstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden, ein weiterer Mittäter bekam zwei Jahre auf Bewährung. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. K.G.

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