Berlin : Bankvorstand Birgit Roos

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„Berlin liegt ihr zu Füßen“, das könnte man sich bei dieser charmanten Volkswirtin gut vorstellen. Aber sie meint den weiten Blick aus ihrem Büro im elften Stock des modernen Bankgebäudes an der Bundesallee auf die Stadt. Deren Wirtschaft zu fördern, ist die Aufgabe der IBB. Seit 2004 ist sie aus der alten Bankgesellschaft „entflochten“ worden. Die Staatsgarantie ist geblieben. Ihre Aufgaben soll sie „wettbewerbsneutral“ erfüllen. Das tut das Institut mit seinen 650 Beschäftigten – und einer Bilanzsumme von 20 Milliarden Euro. Gewinn zu machen, ist nicht das Ziel. Überschüsse werden in die Beratung der Kunden, vor allem der kleinen und mittleren Unternehmen, investiert.

Wie kommt nun eine Bauerntochter aus Meerbusch, parteilos und ohne spezielle Protektion auf den Vorstandssessel eines für Berlins Wirtschaftsförderung so wichtigen Instituts? Der Weg dahin zeigt überzeugende Meilensteine: Abitur bei den Ursulinerinnen in Krefeld, Studium der Volkswirtschaft und Promotion an der Uni Münster, Assistentin beim alten, gewieften Präsidenten der Handwerkskammer Düsseldorf Schulhoff.

Der hat „die Kleine“ in die vielen Aufsichtsratssitzungen mitgenommen und ihr gezeigt, „wie man Macht ausübt“. Die nächste Station war dann die Wirtschaftsförderung in ihrer Heimatgemeinde Meerbusch und danach die Investitionsbank in der damals allmächtigen West- LB. Ihr Weg führte steil nach oben bis ins Vorstandssekretariat von Friedel Neuber, dem großen Drahtzieher und „Strukturpolitiker“. Von „dort oben“ ging es weiter als „erste Frau auf der zweiten Führungsebene“. Controlling war ihr unter anderem anvertraut. Diese Erfahrungen führen, über einen „Kopfjäger“, nach Berlin.

Hier führt sie neben dem Vorstandsvorsitzenden Dieter Puchta das Innenressort, Controlling, Treasury und Organisation. „Vorstand Marktfolge“ heißt das in der Sprache des Geschäftsberichtes. Sie nennt es „Überwachungsvorstand“.

Berlin hat die Neu-Wilmersdorferin richtig „lieb gewonnen“. Sie mag den spröden Charme und die Unfertigkeit. Die große, zerdrückte Niro-Plastik (Milchtüte) vor der Bank wäre perfekt aufgeblasen auch weniger interessant. Für die Berliner Wirtschaft sieht sie eine freundliche Zukunft voraus. Keine großen industriellen Ansiedlungen, aber viele neue kleine Unternehmen und starke Kompetenzfelder wie etwa die Gesundheitswirtschaft. Hier liegt auch der Fokus ihrer Beratung und Kreditvergabe.

Ihr Vertrag läuft bis 2009. Bis dahin wird sie noch manche Innovation einführen. Die Arbeit macht ihr Spaß und lässt wenig Zeit für die beliebten Reisen mit ihrem Mann – der arbeitet in Düsseldorf – und Wochenenden in ihrem geliebten „Ferienhaus“ in Meerbusch. Kinder haben in ihrem bewegten Leben keinen Raum gefunden, aber die Nichten und Neffen der vier Geschwister bedeuten ihr viel.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegel

Birgit Roos (48),

Diplom-Volkswirtin und Dr. rer. pol., ist

Mitglied des Vorstands der Investitionsbank Berlin (IBB). Unter anderem verantwortet sie Controlling und Organisation.

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