Bar 25 : Spielwiese mit Altlasten

Die Bar 25 am Spreeufer schließt Ende August – wieder einmal. Ab Herbst wird ihr Gelände saniert.

Tanja Tricarico
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Spielplatz für Erwachsene. Mit dem Sommer wird auch bald die Bar 25 verschwinden. Ob der Szenetreff zurück an die Spree kommt,...Foto: David Heerde

Geduld gehört dazu, ein warmes Bier für die Wartezeit und die Ungewissheit, dem Türsteher nicht zu gefallen. In einer Samstagnacht gegen ein Uhr morgens stehen über zweihundert Leute in der Holzmarktstraße vor der Bar 25 an. Sie stützen sich auf die geparkten Autos, lehnen sich Kaugummi kauend an die Mauer. Manche vertreiben sich die Zeit mit dem eigenen Sound im Ohr. Immer wieder fahren Taxis vor, setzen neue Gäste ab. Mädchen in kurzen Paillettenkleidern, Jungs in Leggings mit Tigermuster, daneben Miriam in Karohemd und Jeans. „Die Bar ist ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene“, sagt sie. Die 29-Jährige ist Stammgast in der Bar 25. Drei Freunde hat sie an diesem Abend dabei. „Die Bar ist wie Disneyland in Berlin“, sagt einer. „Alles geht beim Feiern“, sagt der andere. Miriam ist vor allem hier, weil die Bar 25 die letzte Saison einläutet. Wieder einmal.

Das Gelände am Spreeufer gehört der Berliner Stadtreinigung (BSR). Die BSR hat den Vertrag mit der Bar 25 zum Ende der Saison nicht weiter verlängert. „Der Boden ist eine Altlast und muss saniert werden“, sagt Sabine Thümler, Sprecherin der BSR. Eigentlich hätte der Platz bis Ende August geräumt werden müssen. Nun gewährt das Unternehmen eine Schonfrist bis Mitte Oktober. Bis dahin dürfte gefeiert werden.

Ob die Bäume gefällt, der Boden abgetragen werden muss oder darüber gebaut werden kann, steht laut BSR noch nicht fest. Ein Restaurant, ein Kino, ein Spa und ein Hostel gibt es neben dem Club. Die Bar 25 gilt als alternatives Projekt, als Spielwiese für exzessive Partygänger. Jedes Wochenende zieht die Mischung aus Varietéshow und Elektroclub hunderte Besucher an. Gefeiert wird rund um die Uhr. Der Ort ist Auffangbecken für diejenigen, die nicht nach Hause gehen können. Billigflieger aus Großbritannien oder den Niederlanden bieten gezielt den Partyflug nach Berlin an. Längst steht der Club als Geheimtipp im „Lonely Planet“ und damit auf der Liste der Orte, die hippe Rucksacktouristen abklappern müssen. Zehn Euro kostet der Eintritt an einem Samstagabend.

Trotz Vertragsverlängerung bis Oktober will die Bar 25 die Saison am 31. August beenden. „Wir müssen planen, wie es weitergeht“, sagt Sprecher Christoph Klenzendorf. „Wir brauchen ein neues Konzept.“ Wohin die Bauwagen für Hostel, Sauna und Massagesalon wandern, kann Klenzendorf noch nicht sagen. Er will die Sache ruhig angehen lassen: „Dann machen wir eben etwas Neues.“

Auf der anderen Seite der Spree, gegenüber der Bar 25, singt eine Jazzsängerin mit verrauchter Stimme „What a difference a day made“. Rund hundert Leute sind ins Kiki Blofeld gekommen. Eine Bar, ein Grillhäuschen, ein Tischkicker, eine Tischtennisplatte. Die Musik vermischt sich mit dem Stimmengewirr der Gäste und dem Rattern der S-Bahnzüge. Seit fünf Jahren öffnet Gerke Freyschmidt die Strandbar von Mai bis Oktober in der Köpenicker Straße. „Wir sind keine Konkurrenten“, sagt er über die Bar 25. „Die gehört einfach zu Berlin.“ Freyschmidt hat das Gelände von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) gemietet. Bodenproben wurden auch im Kiki Blofeld genommen. Sprengstoffexperten hatten sogar eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Freyschmidt weiß, dass Investoren für das Gelände gesucht werden. „Das Spreeufer ist lukrativ“, sagt Freyschmidt. Die Saison 2010 ist ihm trotzdem sicher, davon ist er überzeugt. Selbst die BSR will nicht ausschließen, dass die Bar25 wieder an alter Stelle eröffnen kann, wenn die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind. Bereits im vergangenen Jahr gab es ähnliche Streitereien und Befürchtungen, die letzte Saison der Bar 25 wäre gekommen. Damals konnten sich BSR und Barbesitzer noch auf einen Vergleich einigen.

In der Zwischenzeit ist Miriam am Eingang angekommen. Der Türsteher mustert sie, sein Blick schweift an ihr herab, dann winkt er sie durch. Hinter ihr wird dichtgemacht. „Kommt in sechs Stunden wieder“, sagt Chefin Lotta. Mit ihrem knallroten Tirolerhut und dem grauen Mantel sieht sie wie ein postmodernes Rotkäppchen aus. Disneyland eben.

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