• Barbara Groth, SFB-Fernsehdirektorin, wohnt am Lietzensee und sieht dem neuen Großbezirk gelassen entgegen

Berlin : Barbara Groth, SFB-Fernsehdirektorin, wohnt am Lietzensee und sieht dem neuen Großbezirk gelassen entgegen

Matthias Oloew

Am 10. Oktober wird in den Bezirken gewählt. Der Tagesspiegel hat bekannte Berliner gefragt, was sie über die "Politik im Kleinen" denken.

Geboren in Schleswig-Holstein - da braucht Barbara Groth den Blick aufs Wasser. "Und dann bin ich noch als Sternzeichen Fische", sagt sie, lächelt, und schaut auf die Wasserfläche des Lietzensees, wo zwei Enten darauf warten, Brotstückchen zugeworfen zu bekommen. Hierher, in die Nähe des Sees, ist die Fernsehdirektorin des Senders Freies Berlin vor einem halben Jahr gezogen, als sie nach Berlin zurückkehrte: "Wunderschön ist es hier. Und das Beste: Mein Büro ist in Laufweite." Mit dem Park um den See, dessen Geschichte und seine Legenden sie kennt, verbindet sie alle positiven Aspekte Berlins, um die Ecke jede Menge Leben, aber auch viel Ruhe: "Es gibt Spielplätze und Sportanlagen, ein Café und eine Kirche, da ist für jeden etwas dabei." Entsprechend vielschichtig sei das Publikum im Park.

Sehr schön findet sie, dass Hunde frei herumlaufen können; nicht so schön, wenn die Hinterlassenschaften von Hasso und Brutus auf den Wegen und Wiesen liegen bleiben. Dafür gibt es jedoch die grünen Boxen, an denen Hundebesitzer, wie am Obststand im Supermarkt, kleine Plastikbeutel abreißen können, um den Dreck einzusammeln und wegzuwerfen. "Das wird auch oft gemacht", hat Barbara Groth beobachtet, und das ist für sie ein schönes Beispiel dafür, wie Sponsoring und Verantwortungsbewusstsein helfen können, die Umgebung attraktiver zu machen. "Man kann die Menschen für ihren Kiez interessieren", sagt sie und sieht darin eine wichtige Aufgabe der Politik, "denn der Staat und die Verwaltung können heute nicht mehr für alles verantwortlich sein".

Am Wochenende, wenn sie sich vornimmt, mal richtig faul zu sein ("Was keiner glaubt, auch das gibt es."), geht sie vorzugsweise in eine Patisserie um die Ecke, wo es sonntags "herrlich frische Quiches gibt". Überhaupt sei ihre Nachbarschaft ideal: "Ich habe alles vor der Tür, einen kleinen Kiosk, einen Supermarkt, wo ich fast alles kriege." Aber auch der Kurfürstendamm gehört zu ihren bevorzugten Einkaufslagen. Was sie ansteuert? "Von Douglas bis zum Auktionshaus von Leo Spik eigentlich alles", sagt sie. Dass vor dem Hintergrund leerer Läden Skeptiker die Zukunft des Boulevards düster ausmalen, schreckt sie nicht: "Man kann erst in fünf Jahren sagen, ob die Friedrichstraße eher eine Konkurrenz oder eine Ergänzung zum Kurfürstendamm ist." Sie gibt zu bedenken: "Der Kurfürstendamm ist ein Klassiker. Wenn er schon totgesagt wäre, würden doch Nobelmarken nicht hier ihre Läden eröffnen."

Die Fusion von Charlottenburg mit Wilmersdorf sieht sie ähnlich gelassen: "Schauen wir mal." Sie erinnert jedoch an die Gemeindereformen der westdeutschen Flächenstaaten, wo Dörfer zu Großgemeinden wurden oder in Städte eingegliedert wurden: "Es kann nicht allein um die Frage gehen, wie die Verwaltung optimiert wird", sagt sie. "Ich hoffe, dass die bessere Versorgung der Menschen die Hauptrolle spielt."

Manchmal aber, da müssen die Bürger der Verwaltung auf die Sprünge helfen. Das kündigt auch Barbara Groth an: "Ich werde demnächst beim Grünflächenamt anrufen, und fragen, ob die Kaskaden am Ufer des Lietzensees Sand gestrahlt und saubergemacht werden könnten."

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