Berlin : Barbara John plädiert für Strafverbüßung des 15-Jährigen Erdal A. in Berlin

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Gegen die schnelle Abschiebung des 15-jährigen Erdal A. hat sich gestern Berlins Ausländerbeauftragte Barbara John (CDU) ausgesprochen. Sie steht damit im Gegensatz zu Innensenator Eckart Werthebach (CDU), der den durch mehrere Gewalttaten aufgefallenen Jungen schnellstmöglich ausweisen und ihn die Strafe in der Türkei verbüßen lassen will. Einer an die Strafe anschließenden Ausweisung widersprach aber auch John nicht.

"Der Abschiebung des Jungen widerspreche ich nicht, wenn auch Kinder, die hier geboren wurden oder aufgewachsen sind, grundsätzlich von dieser Maßnahme verschont bleiben sollten", erklärte sie gestern gegenüber dem Tagesspiegel. "Erdal A. sollte seine Strafe hier abbüßen, sofern er verurteilt wird", sagte sie. Mit frühzeitigen Abschiebungen habe man bislang schlechte Erfahrungen gemacht: "Einerseits sind die Haftbedingungen in der Türkei strenger, andererseits werden die Verurteilten einfacher entlassen". Das gelte vor allem für Jugendliche. Vielmehr könne sie sich vorstellen, dass der Junge nach Verbüßung einer Strafe für eine begrenzte Zeit dort bei Verwandten lebe und "von der Gesellschaft miterzogen wird, in der Grenzen viel schärfer gezogen werden als hier." Auch für die Eltern könne dies eine Chance sein, die Erziehung ihres Sohnes in den Griff zu bekommen. Die Familie des Jungen ist mittlerweile von der großen Aufmerksamkeit der Medien überwältigt. Nach Auskunft des Vaters Abdurrahman A. (47) sitzt Erdal A., der seit seinem dritten Lebensjahr in Berlin lebt und noch einen türkischen Pass besitzt, zurzeit in Untersuchungshaft. Einen Anwalt habe die Familie noch nicht, jedoch einen Termin bei Frau John. Erdal sei der Drittgeborene von sechs Kindern, von denen das Älteste 23 und das Jüngste - ein Mädchen - drei Jahre alt ist. Der Wunsch nach einer Tochter habe der Familie so viele Kinder beschert. "Wir brauchen Hilfe, damit Erdal zur Gesellschaft zurückfindet", sagte der Vater gestern. In der Türkei wolle keiner der Verwandten die Verantwortung für seine Erziehung übernehmen.

Erdal A. wird eine hohe Bereitschaft zur Gewalt attestiert. Der 15-Jährige wird, wie berichtet, beschuldigt, er habe wenige Tage vor seinem Prozeß wegen Nötigung und gefährlicher Körperverletzung seinen 21-jährigen Belastungszeugen umbringen wollen, in dem er auf ihn einstach und ihm mit einer Gaspistole ins Gesicht schoss.

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