Berlin : Barmer entschuldigt sich

Schreiben an Sozialhilfeempfänger war „klare Diskriminierung“

Ingo Bach

Die Berliner Barmer-Ersatzkasse entschuldigt sich und möchte alles wieder gut machen. Wie gestern berichtet, hatten Sachbearbeiter der Kasse an Berliner Sozialhilfeempfänger Briefe verschickt, aus denen man eines herauslesen konnte: Am besten entscheiden Sie sich für eine andere Krankenversicherung. „Wir bedauern, dass diese Mitteilungen rausgegangen sind“, sagte am Montag der Berliner Regionalgeschäftsführer der Barmer, Detlef Krüger. „Da haben übereifrige Mitarbeiter etwas falsch interpretiert.“ Hintergrund: Die Erfassung der Sozialhilfeempfänger, die von der Kasse betreut werden, erfolgt ab Januar nur noch im sächsischen Zwickau. In dem Brief, der dem Tagesspiegel vorliegt, heißt es dementsprechend: Als Sozialhilfeempfänger müsse man in die 300 Kilometer von Berlin entfernte Stadt fahren, um sich persönlich beraten zu lassen. Wem dieser Service nicht zusage, der könne sich für eine andere Kasse entscheiden. Krüger bezeichnet diese Darstellung als falsch: „Natürlich werden alle Sozialhilfeempfänger, die die Barmer gewählt haben, persönlich in allen unseren Service-Centern betreut.“ Nur die Datenerfassung und Abrechnung erfolge in Zwickau.

Rund 300 dieser Schreiben seien verschickt worden, sagt Krüger. Die so Angeschriebenen würden in den nächsten Tagen einen zweiten Brief erhalten, in dem die „Fehlinformation“ korrigiert werde. Die Briefe hatten bundesweit Aufmerksamkeit erregt, weil vor wenigen Tagen einen Anweisung der Marketing-Zentrale der Barmer in Wuppertal bekannt geworden war, wonach die Barmer-Regionalleitungen den Anteil von Sozialhilfeempfängern möglichst gering zu halten hätten.

Der Barmer-Bundeschef Eckart Fiedler reagierte „schockiert“ auf das Vorgehen der Berliner Filiale und pfiff gestern seine Mitarbeiter zurück: „Eine solche Vorgehensweise stellt eine klare Diskriminierung dar und ist nicht nur rechtlich unzulässig, sondern auch mit dem Ethos der Barmer nicht vereinbar“, sagte er. „Ich habe die Berliner Geschäftsstellen angewiesen, alle Sozialhilfeempfänger, die eine entsprechende Mitteilung erhalten haben, sofort erneut anzuschreiben und unmissverständlich klarzustellen, dass sie selbstverständlich durch eine Geschäftsstelle in Berlin persönlich beraten und betreut werden.“

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