Berlin : Barrieren statt Karrieren

Kein Umsatz wegen Absperrung: Läden entlassen Personal

Klaus Kurpjuweit

Der Krieg im Irak geht dem Ende zu, und doch gefährdet er in Berlin Arbeitsplätze. Wegen der Vollsperrung der Wilhelmstraße vor der Britischen Botschaft sei der Umsatz in den nahen Betrieben und Restaurants stark zurückgegangen, erklärte gestern Frank Hamann vom Kartoffelhaus No.1. Wenn die Barrieren nicht auf der Stelle entfernt würden, müssten bis zu 20 Mitarbeiter entlassen werden. Ein Betrieb habe bereits zwei Leute gekündigt, sagte Hamann. Schnelle Hoffnung auf Besserung gibt es aber nicht. Laut Polizei und Innenverwaltung bleibt es vorläufig bei den Absperrungen vor gefährdeten Objekten.

Die so genannte Gefährdungsanalyse werde ständig aktualisiert, teilte ein Polizeisprecher gestern mit. Doch trotz der abflauenden Kampfhandlungen im Irak habe auch die jüngste Analyserunde zu dem Schluss geführt, die Vollsperrung noch nicht aufzuheben. Die Geschäftsleute aus der Wilhelmstraße hatten in einem offenen Brief an den Polizeipräsidenten gebeten, wenigstens den Gehweg auf der der Britischen Botschaft gegenüberliegenden Straßenseite freizugeben. An den Briten würde das wohl nicht scheitern: In der so massiv geschützten Botschaft ist man mit der Situation nicht zufrieden. Man wolle ein offenes Haus bleiben, hatte Sprecherin Christiane Goedelt bereits zu Beginn der Absperrung erklärt. Gewünscht habe sich die Botschaft die Abriegelung nicht.

Die Geschäftsleute sagen, dass sie den Umsatzeinbruch nicht mehr länger durchhalten. Seit die Wilhelmstraße vor etwa vier Wochen unpassierbar geworden ist, seien die Einnahmen „dramatisch eingebrochen“. Besonders betroffen seien die Betriebe, die erst vor kurzem eröffnet haben und noch kein Stammpublikum hätten, sagte Hamann. Um die Existenz der Betriebe zu sichern, müsse man sich von Mitarbeitern trennen.

Hilfe könnte theoretisch vom Senat kommen. Wer eindeutig nachweisen kann, dass die Absperrungen zu finanziellen Einbußen geführt haben, kann bei der Finanzverwaltung Hilfe beantragen. Jeder Fall werde aber genau geprüft, sagte der Sprecher der Verwaltung, Claus Guggenberger. Und gezahlt werde nach den Erfahrungen der Vergangenheit nur in den seltensten Fällen, sagte Hamann resigniert. Auch die Senatswirtschaftsverwaltung könne nicht einspringen, so deren Sprecherin Brigitte Schmidt. Einen Etat für solche Fälle gebe es nicht.

So bleibt nur die Hoffnung, dass sich die Situation so entspannt, dass die Barrieren doch weggeräumt werden können – bis zur nächsten potenziellen Gefährdung.

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