Baseballplatz in Dahlem : Diplomaten ins Aus geschlagen

Der Dahlemer Baseballplatz muss abgerissen werden. Zwei Familien hatten gegen die Anlage geklagt - das Verwaltungsgericht stimmte ihnen zu.

Rainer W. During

Jahrzehntelang schleuderten sich erst US-Soldaten die Bälle zu, dann Freizeitsportler: Der Baseballplatz an der Dahlemer Stewardstraße ist ein Stückchen Amerika in Berlin. Doch das wird jetzt entsorgt. Zwei Familien haben am Mittwoch vor Gericht die Schließung durchgesetzt. Damit endete ein Ortstermin des Verwaltungsgerichtes.

Noch vor Jahresfrist hatten die Bezirksverordneten von Steglitz-Zehlendorf einstimmig für die Erhaltung der Anlage gestimmt, die seit dem Abzug der Alliierten dem Bezirk gehört. Die Mixed Softball League (MSL) sowie die Diplomatic Softball League (DSL), in der Angehörige der Botschaften spielen, trafen sich hier an den Wochenenden. Werktags trainierte der Nachwuchs. Auch viele Kinder von Anwohnern verbringen hier ihre Freizeit. So wie Chris, der mit seinen Freunden auch gestern noch Unterschriften für den Platz sammelte. Die Baseballer haben den Rasen gepflegt und den Müll beseitigt, sagt DSL-Präsident Sheldon Eisenhower. Jetzt wächst dort das Unkraut, der Bezirk hat den Platz wegen des Rechtsstreits gesperrt.

Geklagt hatten Familien, die im Herbst 2006 benachbarte Häuser in einer neu gebauten Wohnsiedlung gekauft hatten. Die Betroffenen wollen die Baseball-Nutzung erst bemerkt haben, als nach dem Saisonstart 2007 die ersten Bälle in ihre Gärten flogen. Seither haben Sie Angst um ihre Kleinkinder, fühlen sich gestört vom Lärm.

Zahlreiche Anwohner setzten sich beim Ortstermin vehement für den Platz ein und verwiesen auf das multikulturelle Zusammenleben. In den Teams spielen Deutsche ebenso wie Australier, Japaner, Kanadier, Koreaner, US-Bürger, Chinesen, Türken und Tschechen. „Wir können doch miteinander reden und Lösungen suchen“, sagte ein Angehöriger der Botschaft von Taiwan.

Vergeblich regte der Vorsitzende Richter Michael Richter mit Hinweis auf die gute Nachbarschaft einen Kompromiss an. Obwohl der DSL-Chef auf den Bau höherer Zäune verwies, bezeichnete der Kläger-Anwalt den Abriss als „Minimum“. Da blieb dem Richter keine andere Wahl, als auf die bestehende Rechtslage zu verweisen. Denn der Bezirk führt den Platz aus heute unerklärlichen Gründen seit 1996 als Grünanlage – und auf der sind aus Sicht des Gerichts „Schleuder-, Wurf- und Schießgeräte“ verboten, wozu Baseballkeulen zählten. Hätte es sich um eine Sportanlage gehandelt, wäre zudem der Bau der Zweifamilienhäuser der Kläger in nur zehn Metern Entfernung nicht zulässig gewesen. Die Amtsvertreter sicherten daraufhin zu, den Platz bis zum Jahresende geschlossen zu halten und die nordwestliche Hälfte ab Mai 2011 für Baseballspiele zu sperren. Der Fangzaun wird abgebaut, der Abschlagplatz begrünt. Die Anlieger zogen ihre Klagen zurück. Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) kann sich vorstellen, auf dem Areal einen Spielplatz zu bauen.

Und die Baseballer? Die Profis spielen bereits auf einem Gelände an der Lichterfelder Goethestraße. Allerdings soll dort bald gebaut werden. Eine Schulsporthalle. Rainer W. During

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