Berlin : Bau auf

Ulrich Zawatka-Gerlach

Physiker sprechen in solchen Fällen gern von Wechselwirkung. Ein Teilchen gibt dem anderen neuen Drive und im besten Falle gehen die Dinge mit Lichtgeschwindigkeit voran. So scheint es jetzt auch beim Stadtschloss und der Kanzler-U-Bahn zu sein. Beide Projekte schleppten sich seit Jahren durch die politischen Instanzen. Die Wechselwirkung bestand darin, dass ausgebremst wurde. Jetzt, auf einmal, steht am Schlossplatz schon fast das Baugerüst und – schwupps – rotiert schon fast der Schildvortrieb für die U-Bahnlinie 5 Richtung Alexanderplatz.

Nennen wir es einfach den umgekehrten Dominoeffekt. Ein Ding baut das nächste auf – wir erklären dies hiermit zur neuen Maxime für die Berliner Politik. Noch bevor die U-Bahn am Alexanderplatz angekommen ist, sollten dort zum Beispiel die vielen neuen Hochhäuser stehen, die einst geplant worden sind. Auch das ICC ist längst runderneuert, und die Staatsoper steht prächtiger da als eh und je. Der Investitionsstau wird auf ganzer Linie aufgelöst. Hätte das der Große Kurfürst noch erlebt, ein Schloss- und Bauherr erster Güte. Er wäre sicher gern mit der U-Bahn gefahren.

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