Berlin : Bau-Förderer will Geld für Rufschädigung

Specker: 40 000 Euro von Ausschuss-Chef gefordert

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Peter Strieder führt, aber Roland Specker folgt auf Platz 2. Wer den mehr als tausend Seiten starken Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses zum Tempodrom nach Namen der wichtigsten Akteure durchsucht, stößt 691 mal auf Strieder, den früheren Senator, SPD-Chef und politischen Förderer des Kulturbaus. Auf Platz zwei steht mit 512 Nennungen der Name Specker, noch vor Tempodrom-Gründerin Irene Moessinger.

Jetzt, kurz nach dem Ende der politischen Aufarbeitung der Affäre, meldet sich Specker noch einmal zu Wort. Wegen einer unzutreffenden Unterstellung des Ausschussvorsitzenden Michael Braun (CDU), die dieser vor zwei Jahren in einem Interview gemacht hatte, fordert Specker eine Entschädigung in Höhe von 40 000 Euro.

Braun hatte im Mai 2004 behauptet, Specker sei „über die SPD“ in den Aufsichtsrat der Wasserbetriebe gelangt und das mit Bezug auf einige von Specker organisierte Unterstützungsveranstaltungen für die SPD mit dem Spruch kommentiert: „Eine Hand wäscht die andere“. Das Landgericht Berlin entschied 2005, dass die Behauptung falsch sei, Specker sei „über die SPD“ in den Aufsichtsrat gelangt, in dem er noch heute sitzt. Darauf wollte es Specker nicht beruhen lassen: Vergangene Woche teilten seine Anwälte Braun mit, durch die Unterstellung einer Interessenverquickung sei Specker ein materieller und ideeller Schaden entstanden. Hierfür verlange man eine Entschädigung von 40 000 Euro.

Brauns Anwalt weist die Forderung als „absurd“ zurück. Für diesen Fall hatten Speckers Anwälte angekündigt, nun den Betrag einzuklagen.

Die Auseinandersetzung spiegelt die Vielschichtigkeit der Vorwürfe wider, die in der Tempodrom-Affäre erhoben wurden. Aus seinem Einsatz für das Haus am Anhalter Bahnhof hat Specker, der zuvor die Reichstagsverhüllung durch Christo organisierte, keinen Hehl gemacht. Er hatte sich im Freundeskreis Neues Tempodrom und im Bauausschuss der Stiftung Neues Tempodrom engagiert. Für die Entscheidungen, die er in dieser Funktion getroffen hat, hat Specker öffentlich die Verantwortung übernommen. Er reagierte aber allergisch, wenn man ihm unterstellte, er habe unzulässig politisch gekungelt oder sich gar der Korruption schuldig gemacht. Dieser Vorwurf war Specker zumindest indirekt wiederholt gemacht worden, da er in zeitlicher Nähe zu einer Millionenspritze des Senats für den Tempodrom-Bau den Wahlkampf der SPD unterstützt hatte. Da sich außer der zeitlichen Nähe aber kein Zusammenhang zwischen den beiden Vorgängen beweisen ließ, wurden alle Ermittlungen gegen Specker eingestellt. lvt

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