Berlin : Bau neuer S-Bahn zum Hauptbahnhof noch ungewiss

Geld für die geplante Nord-Süd-Strecke S 21 ist da Ein Termin steht nicht fest – Senat und Bahn streiten

Klaus Kurpjuweit

Sie ist notwendig – die S-Bahn-Strecke in Nord-Süd-Richtung zum Hauptbahnhof. Darin sind sich die Bahn und der Senat einig. Doch ob mit dem Bau der S 21, der vielen Fahrgästen den Weg zum Hauptbahnhof einfacher machen würde, wie geplant im nächsten Jahr begonnen wird, ist weiter ungewiss. Erneut schieben sich die Bahn und der Senat die Verantwortung dafür gegenseitig zu. Dabei ist der größte Brocken bereits aus dem Weg geräumt: Die Finanzierung des 200-Millionen-Euro-Projekts stehe, heißt es beim Senat.

Die neue Strecke soll den Hauptbahnhof auch in Nord-Süd-Richtung ans Netz der S-Bahn anschließen. Über 60 weitere S-Bahnhöfe wären dann direkt mit dem Hauptbahnhof verbunden. Bisher müssen Fahrgäste umsteigen, weil sich der Hauptbahnhof mit der S-Bahn nur über die Ost-West-Stadtbahn erreichen lässt.

In der Nord-Süd-Richtung sind im Nahverkehr bisher nur Züge des Regionalverkehrs unterwegs, die durch den neuen Tunnel fahren. Sie halten auf Berliner Gebiet im Norden in Gesundbrunnen und im Süden in den Stationen Potsdamer Platz, Südkreuz und Lichterfelde Ost. Da weniger Regionalzüge durch den Tunnel fahren als ursprünglich geplant, gibt es hier keine so dichte Zugfolge wie bei der S-Bahn. Als Vorlauf für die künftige S 21 hatte die Bahn während der Fußball-Weltmeisterschaft mit S-Bahnen aus München und Frankfurt (Main) Pendelfahrten im 20-Minuten-Abstand zwischen Gesundbrunnen und Südkreuz angeboten – mit Halt im Hauptbahnhof und am Potsdamer Platz.

Der geplante Bau der S 21 als Direktverbindung zum Hauptbahnhof ist ein endloses Verwirrspiel. Anfang der 90er Jahre war der Bau im neuen Bahnkonzept beschlossen worden. Später gab der Senat diesen Plan auf. Er wollte stattdessen lediglich die ebenfalls bereits vereinbarte Verlängerung der U-Bahn-Linie U 5 vom Alexanderplatz zum Hauptbahnhof vorantreiben. Doch auch dieses Projekt wurde vom Senat gestoppt, der dann wieder die Pläne für die S 21 hervorholte.

Sie soll im Norden an den Nordring der S-Bahn angeschlossen werden. Diese Bauwerke sind bereits fertig. Die zunächst vorgesehene Station an der Perleberger Brücke will der Senat vorläufig nicht bauen, sondern nur als Option erhalten. Am Hauptbahnhof sollen die Züge enden und wieder zum Nordring zurückfahren. Die baulichen Voraussetzungen im Hauptbahnhof sind ebenfalls geschaffen. Auch die Unterführung unter der Invalidenstraße ist fertig. Der Planfeststellungsbeschluss liegt vor, so dass gebaut werden könnte.

Die Bahn will aber erst loslegen, wenn weitere Fragen geklärt sind. Ungewiss ist, ob nördlich vom Hauptbahnhof ein Hochhaus gebaut wird, unter dessen Grundstück die Trasse der S 21 verläuft. Streit gibt es auch noch um den Eingangsbereich für die S-Bahn im Hauptbahnhof. Hier ist der große Wurf bereits verbaut. Geplant war, für die S- und U-Bahn einen gemeinsamen Bahnhof zu bauen, so dass Fahrgäste am gleichen Bahnsteig von der U- in die S-Bahn hätten umsteigen können. Eine solche Station gibt es bisher nur aus DDR-Zeiten in Wuhletal.

Zudem will die Bahn vor Baubeginn klären, wann der Senat den Weiterbau der S 21 bis zum Potsdamer Platz mitfinanzieren will. Nur mit dieser Verlängerung erreiche die Strecke einen hohen Verkehrswert, argumentiert die Bahn. Vom Potsdamer Platz bis zum Brandenburger Tor gibt es einen fertigen Tunnel aus den 30er Jahren, so dass nur die Verbindung vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor mit dem Bahnhof Bundestag fehlt.

Langfristig soll die S 21 über den U-Bahnhof Gleisdreieck, wo man zur U 1 und U 2 umsteigen könnte, hinaus bis zum Südring verlängert werden. Doch daran glaubt derzeit keiner, solange nicht mal der Baustart auf dem kurzen Stück im Norden gewiss ist.

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