Bauarbeiten : Bahnstrecke Berlin-Hamburg wird voll gesperrt

Bahnkunden müssen sich ab dem 1.März gedulden: Die Fahrt von Berlin nach Hamburg wird bis zum Sommer rund 40 Minuten länger dauern. 250.000 Schwellen müssen ausgetauscht werden. Gratissnacks und -zeitungen sollen die längere Zugfahrt erträglich machen.

Klaus Kurpjuweit
bahn hh
Sperrung, Baustelle, Umleitung: Auf der Bahnstrecke von Berlin nach Hamburg kommt es zu erheblichen Verspätungen. -Grafik: Tsp/Kroupa

Die Schäden waren bekannt – trotzdem hat die Bahn beim Ausbau für ein höheres Tempo 2002 bis 2004 darauf verzichtet, sie zu beseitigen. Die Folgen spüren nun die Fahrgäste: Weil 250.000 zerbröselnde Schwellen auf der Strecke zwischen Berlin und Hamburg ausgetauscht werden müssen, wird die Strecke, wie angekündigt, vom 1. März bis zum 13. Juni zwischen Nauen und Wittenberge voll gesperrt. Der Abschnitt zwischen Wittenberge und Hamburg bleibt eingleisig in Betrieb. Weil die ICE-Züge deshalb über Stendal umgeleitet werden müssen, verlängert sich die Fahrtzeit um etwa 40 Minuten. Die Bahn tröstet die Fahrgäste mit Gratissnacks und einem erweiterten Zeitungsangebot. Preisreduzierungen gibt es nur in Ausnahmen – bei Zeitkarten und Inhabern der Netzkarte. Zudem verdoppelt die Bahn die Zahl der 29-Euro-Tickets auf täglich 500.

Die Ausgaben wollte sich die Bahn sparen

Beim Ausbau der Strecke vor wenigen Jahren hatten die Verantwortlichen gehofft, dass die Schwellen noch etwa rund zehn Jahre halten würden. Sie waren erst Anfang der 90er Jahre bei der Grundsanierung der Strecke eingebaut worden. Obwohl auch die Reichsbahn der DDR bereits riesige Probleme mit zerbröselnden Schwellen hatte, versäumte es die Bahn damals, das Material ausgiebig zu prüfen. Die Schwellen stammten vom gleichen Herstellerwerk. Ein Regressanspruch ließ sich jedoch nicht durchsetzen.

Die Ausgaben für einen Austausch wollte sich die Bahn damals nach Tagesspiegel-Informationen sparen, um für den geplanten Börsengang als wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen dastehen zu können. Zudem sollte der Termin für die Wiedereröffnung der auch damals schon einmal gesperrten Strecke nicht verschoben werden. Die Bahn wollte unbedingt, wie sie in ihrer Werbung versprochen hatte, vom 12. Dezember 2004 an die Strecke zwischen Berlin und Hamburg in rund 90 Minuten zurücklegen.

Der Erfolg gab der Bahn recht. Der Schnellverkehr führte dazu, dass die Verbindung zwischen beiden Metropolen zu den bestgenutzten Strecken im gesamten Netz gehört. Rund 10.000 Fahrgäste sind seither hier täglich unterwegs.

Auch ein Getränk gibt es gratis

Obwohl es möglich gewesen wäre, die Gleise unter laufendem Betrieb zu erneuern, hat sich die Bahn zur Vollsperrung entschieden. Dadurch könne die Bauzeit wesentlich verkürzt werden, sagte am Donnerstag der Berliner Bahnchef Ingulf Leuschel. Arbeiten nur in der Nacht hätten ein jahrelanges Bauen erfordert; wäre auch tagsüber gebaut worden, hätte ebenfalls ein Gleis gesperrt werden müssen.

Weil die Fahrgäste nun länger unterwegs sind, spendiert die Bahn in der 1. Klasse einen kleinen Gratisimbiss mit Getränk und bietet zum Zeitvertreib zusätzliche Zeitschriften an. Auch Fahrgäste in der 2. Klasse erhalten einen kleinen Snack mit Kaltgetränk sowie montags bis freitags eine Zeitung. 

Im Fernverkehr empfiehlt die Bahn auch ein Ausweichen auf die Autobahn: Ihr Tochterunternehmen Bexx fährt zwölf Mal am Tag zwischen Berlin und Hamburg – meist zu günstigeren Preisen.

Informationen gibt es im Internet unter www.bahn.de/bauarbeiten sowie telefonisch unter 0331/235 6881/82 und 0800 599 66 55.

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