Berlin : Bauausschuss streitet über die Staatsoper Opposition kritisiert Sanierungs-Wettbewerb

Die Sanierung der Staatsoper, vor allem die Neugestaltung des Zuschauerraums, sollte gestern im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses besprochen werden. Außerdem der Wiederaufbau der Bauakademie, die umstrittene Repräsentanz des Thyssen-Konzerns am ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude und die Situation auf der Museumsinsel. Die Kulturexperten des Parlaments wurden hinzugeladen, um den Zustand der historischen Mitte Berlins zu diskutieren.

Die Besprechung zur Staatsoper wurde von der FDP-Fraktion beantragt. „Wir wollen wissen, wie der Senat mit Wettbewerbsergebnissen umgeht“, sagte deren Bauexperte Klaus-Peter von Lüdeke vor der Sitzung. Die Architektenkammer, die zu dieser Frage angehört werden sollte, sagte allerdings ab. Die FDP favorisiert den preisgekrönten Vorschlag des Architekten Klaus Roth für eine radikale Erneuerung des Innenraums. Auch die Grünen plädieren für die Umsetzung des Siegerentwurfs, wenn dadurch die Akustik deutlich verbessert und die Sichtbehinderungen im Saal beseitigt werden. Die CDU will die historische Gestalt des Zuschauerraums erhalten, SPD und Linke sind noch nicht festgelegt. Zwar hat sich Kultur-Staatssekretär André Schmitz dagegen ausgesprochen, den Saal zu modernisieren, aber der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit vermied bisher jede Festlegung.

Die Grünen kritisieren, dass der Senat in der Ausschreibung des Wettbewerbs nicht festgelegt habe, welche Rolle der Denkmalschutz bei der Sanierung des Zuschauerhauses, haben soll. Der Ausschreibungstext wies auf das „Erhaltungsinteresse der Denkmalpflege“ hin, aber auch auf die „Ansprüche nach einer optimalen Akustik und besseren Sichtverhältnissen“, ohne Prioritäten zu setzen. In der Auswahlsitzung der Wettbewerbs-Jury wurde zwar die Frage erörtert, „inwieweit eine Veränderung im Innenraum das gesamte Erscheinungsbild zerstört“, wie im vertraulichen Protokoll steht. Das Preisgericht einigte sich aber nur darauf, dass die „Erwartungen an einen Opernsaal sich nach dem Zusammenspiel von Architektur, Kultur und den Anforderungen der Bespielbarkeit in der heutigen Zeit richten“ sollten.

Völlig außen vor blieb bisher das Problem, dass mit dem „beschränkten Wettbewerb Zuschauerhaus Staatsoper“ auch der Generalplaner für den Umbau, die Modernisierung und Erweiterung des gesamten Gebäudekomplexes Unter den Linden ausgesucht wird. Wie berichtet, verhandelt die Behörde derzeit mit den drei Preisträgern des Wettbewerbs und will spätestens im August den Zuschlag für das 239 Millionen Euro teure Gesamtprojekt erteilen. Die Zeit drängt. Wenn sich die Auswahl des Generalplaners verzögert oder Architekten, die aus dem Verfahren ausgeschieden sind, aus vergaberechtlichen Gründen klagen, kann sich der geplante Sanierungsbeginn 2010 – und die Wiedereröffnung 2013 – um ein Jahr verzögern, weil gewartet werden muss bis zum Ende der folgenden Saison. za

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar