Baubeginn wohl 2013 : Kulturminister Neumann fordert Kuppel für Stadtschloss

Der Berliner Senat kritisiert den für 2013 geplanten Baustart für Humboldt-Forum als zu spät. Die Linke bekräftigt derweil ihre Ablehnung: Sie befürchtet eine Explosion der Kosten.

Klassisch: Der Wiederaufbau ist beschlossen, aber an der Kuppel des Schlosses scheiden sich die Geister.
Klassisch: Der Wiederaufbau ist beschlossen, aber an der Kuppel des Schlosses scheiden sich die Geister.Foto: dapd

Trotz angespannter Haushaltslage fordert Kulturstaatsminister Bernd Neumann den Bau einer Kuppel für das Berliner Stadtschloss. „Zu diesem Schloss gehört die charakteristische Silhouette und damit auch die Kuppel“, sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur dapd. Auch beim Reichstag sei über die Kuppel kontrovers diskutiert worden. „Jetzt ist sie zu dem Berliner Wahrzeichen schlechthin geworden“, sagte Neumann.

Nach der im Sommer verhängten Haushaltssperre ging Bundesbauminister Peter Ramsauer und er davon aus, dass mit ersten Baumaßnahmen im Jahr 2013 gestartet werden könnte – zwei Jahre später als ursprünglich geplant. Da Restmittel und Spenden vorhanden seien und der Berliner Senat von seinem Anteil von 32 Millionen Euro auch Geld zur Verfügung stellen könnte, sehe er kein Problem, die Zeit bis 2013 zu überbrücken.

Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz kritisierte den für 2013 geplanten Baubeginn als zu spät. „Die Verschiebung war nicht notwendig und hat dem Bund keine Einsparung gebracht“, sagte Schmitz. 2002 hatte der Bundestag den Beschluss zum Wiederaufbau gefasst – allerdings ohne Verpflichtung zur Kuppel, die primär aus Spenden finanziert werden soll. Das Hinauszögern sei angesichts des „riesigen Etats des Bundesbauministeriums nicht nachvollziehbar“ gewesen, sagte Schmitz. Nun begrüße er aber die Haltung des Bundes, der es „verstanden hat, dass es sich beim Stadtschloss um ein wichtiges Projekt handelt, das man nicht unendlich schieben kann“.

Die Linkspartei hält an ihrem „Nein“ für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses fest und begründet dies mit einer zu erwartenden Kostenexplosion. „Nach neuesten Überlegungen wird eine sinnvolle Nutzung und ein akzeptabler Baukörper das Vielfache der bisher bekannten Summe kosten“, sagte die kulturpolitische Sprecherin Luc Jochimsen.

Im Juni hatte die Regierung nach einer Sparklausur eigentlich beschlossen, angesichts der Haushaltslage den Beginn des Wiederaufbaus des Stadtschlosses bis mindestens 2014 zu verschieben. Der Bundeszuschuss von 440 Millionen Euro sollte so vorerst eingespart werden. Das Projekt soll erst dann realisiert werden, wenn wieder Geld in der Kasse ist. Eigentlich sollte der Wiederaufbau 2011 beginnen. Die Eröffnung war für 2017 geplant.

Neumann sagte, die Verzögerung um zwei Jahre könne man sogar als hilfreich ansehen. Es sei noch eine Reihe von Fragen zu beantworten, die die Gestaltung angingen. Es müsse noch entschieden werden, wie man die bei den Erdarbeiten auf dem Schlossplatz entdeckten archäologischen Funde integriert. Und es fehle noch das Konzept für den inhaltlichen Teil des Humboldt-Forums, den ein internationales Projektteam erarbeite. „Die Vertagung kann gut genutzt werden, um das Ganze noch professioneller vorzubereiten“, sagte der Minister. Neumann verteidigte die Entscheidung, im Schloss nur außereuropäische Geschichte und Kultur zu präsentieren. „Das macht gerade das Faszinierende aus, dass im Schloss die außereuropäischen Kulturen und auf der gegenüberliegenden Seite – auf der Museumsinsel – die europäische Kunst präsentiert werden. Diese Sammlungen werden in eine einmalige Beziehung zueinander gebracht“, sagte er.

Das Humboldt-Forum soll den Plänen zufolge als Museum, Bibliothek und kultureller Veranstaltungsort genutzt werden. Es soll seinen Platz in einem Gebäude finden, das nach den Plänen des italienischen Architekten Franco Stella dem 1950 gesprengten Stadtschloss nachempfunden wird. Aufgebaut wird streng genommen nur die Fassade, und auch die wird nur an drei Seiten das historische Bild wiedergeben. Die vierte Seite wird modern gestaltet. 552 Millionen Euro soll der Bau kosten. Das meiste Geld stammt vom Steuerzahler. Der Bund beteiligt sich mit 440 Millionen Euro, das Land Berlin mit 32 Millionen Euro. 80 Millionen Euro sollen über Spenden kommen. Das Projekt ist eines der größten Bauvorhaben des Bundes. (dapd)

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

20 Kommentare

Neuester Kommentar