Berlin : Baubranche kritisiert BER-Betreiber

Bessere Kontrollen in Schönefeld gefordert.

Schönefeld - Nach dem Bekanntwerden gravierender Sicherheitslücken auf der Baustelle des neuen Großflughafens BER in Schönefeld wirft die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Berlin und Brandenburg, Doro Zinke, der Flughafengesellschaft Leichtgläubigkeit im Umgang mit den am Bau beschäftigten Unternehmen vor. „Der Flughafenbetreiber verlässt sich auf das gegebene Wort der Unternehmen, obwohl solche Tricks in der Branche bekannt sind“, kritisierte Zinke am Donnerstag.

Das RBB-Magazin „Klartext“ hatte am Mittwochabend berichtet, wie rund 60 meist rumänische Bauarbeiter trotz eigentlich vorgesehener Kontrollen unbehelligt auf die BER-Baustelle gebracht wurden, um dort zu Dumpinglöhnen zu arbeiten. Eigentlich ist das Betreten des Geländes laut Flughafengesellschaft nur unter Vorzeigen eines speziellen Baustellenausweises möglich. Außerdem müsse eine gültige Sozialversicherungskarte vorhanden sein. In einer ersten Stellungnahme hatte die Flughafengesellschaft am Mittwoch mitgeteilt, man könne den geschilderten Fall „nach internen Erkundigungen“ nicht bestätigen. Am Donnerstag erklärte das Unternehmen, es gebe aber „Ausnahmeregelungen für das Betreten der Baustelle“. Demnach könnten einzelne Firmen ihre Mitarbeiter mit einem Sammelausweis per Bus auf die Baustelle bringen. Die Potsdamer Landesregierung als einer der drei Gesellschafter gab am Donnerstag keine Stellungnahme ab.

Nach Einschätzung des DGB handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Sowohl aus dem vergangenen als auch dem laufenden Jahr seien ähnliche Vorfälle bekannt. „Es nützen die besten Regeln nichts, wenn sie nicht kontrolliert werden“, sagte Zinke. Bereits im vergangenen Dezember beunruhigte ein Fall die Öffentlichkeit, bei dem ungarische Arbeiter in ihrer Heimat von einer Firma aus dem bayerischen Bad Reichenhall für die BER-Baustelle angeworben worden waren, später aber um ihren zugesagten Lohn geprellt wurden.

Die regionale Bauwirtschaft fordert jetzt eine rasche Aufklärung der Vorwürfe zur Kontrolle der Arbeiter. „Wenn die Vorwürfe stimmen, haben wir ein Problem“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg, Axel Wunschel. Immerhin sei der BER die größte Infrastrukturmaßnahme in den neuen Bundesländern und gelte als Musterbaustelle. „Bisher sind wir davon ausgegangenen, dass dort ein lückenloses Sicherheitssystem durchgesetzt wird“, sagte Wunschel. Auch die Fachgemeinschaft Bau sprach sich für schärfere Kontrollen aus.mat

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