Berlin : Baubranche sieht Chancen für „begehrtes Wohngebiet“

Was ist der Flughafen Tempelhof für Berlin wert, wenn der Airport geschlossen wird? Der Immobilienexperte Gottfried Kupsch ist sicher, das Gelände werde für die Stadt sehr lukrativ sein, zumindest Teile der Freifläche könnten „ein begehrtes Wohngebiet“ werden. Schon jetzt sei das Interesse in der Baubranche groß. „Townhouses gehen mit Sicherheit weg“. Für modellhaftes Wohnen gebe es große Chancen. Auch der städtische Liegenschaftsfonds habe sich schon mit diesem Thema beschäftigt. Dessen Sprecherin Irina Dähne wollte nur „Gedankenspiele, eher Fiktionen“ bestätigen. Es werde eine politische Entscheidung sein, ob Flächen verkauft werden oder nicht.

Das Verkehrswertgutachten für den Flughafen soll erst 2008 erarbeitet werden, dann wollen Bund und Land das Verfahren zum Erwerb des Geländes klären. Die Grünen meinen, Berlin kaufe die „Katze im Sack“. Rund 3,86 Millionen Quadratmeter sind zu entwickeln, die Senatsbauverwaltung hält Flächen für „Wohnen und Arbeiten“ in angrenzenden Teilen von Neukölln und Tempelhof für möglich. Wie viel die Grundstücke wert seien, könne man derzeit nicht mal schätzen, weil die Bodenpreise von der künftigen Nutzung abhingen, heißt es in der Behörde. Die Sprecherin der Finanzverwaltung sagt, Senator Thilo Sarrazin (SPD) rechne „nicht mit einem nennenswerten Kaufpreis“. Der Senator hatte kürzlich den Flughafen Tempelhof als „verdorbenes Filetstück“ bezeichnet.

Aber es dürfte einen nicht unbeträchtlichen Wert haben: Im Umfeld des Flughafens betragen die vom Land Berlin ermittelten Bodenrichtwerte für einen Quadratmeter baureifes Grundstück (ohne Erschließung) rund 300 Euro, zum Teil auch über 400 Euro. Rückschlüsse auf den Verkehrswert künftiger Baugrundstücke auf dem Flughafengelände lassen sich daraus allerdings nicht ziehen. Der Immobilienfachmann Kupsch ist der Ansicht, dass sich der Bau von Bürohäusern angesichts des großen Angebots in der Stadt nicht lohnt. Aber gerade für viele anspruchsvolle Zuzügler – etwa Lobbyisten – gebe es kein adäquates Wohnangebot in der Stadt, wie sich immer deutlicher zeige. Dies aber ließe sich in Tempelhof problemlos schaffen. C. v. L.

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