Berlin : Bauen auf goldene Zeiten

Investoren zeigen, was am Alexanderplatz bis 2006 entsteht: Das Einkaufszentrum kommt in jedem Fall – das Hochhaus nur, wenn es Mieter gibt

Holger Wild

Wo heute noch ein grauer Parkplatz liegt – entsteht ein goldgedecktes Shopping-Center. Das markant glänzende Dach aus goldeloxiertem Aluminium wird das zentrale Gebäudeteil eines Ensembles krönen, mit dem das Architekturbüro Ortner + Ortner den ersten Preis im Wettbewerb um die Gestaltung des Einkaufszentrums gewonnen hat.

Auf den 27 000 Quadratmetern Grundfläche der so genannten „Banane“ – der gekrümmten Fläche zwischen den S-Bahnbögen und der Alexanderstraße bis hinunter zur Voltairestraße – sieht der Entwurf vier durch ein Glasdach verbundene Baukörper mit einer Gesamtbaumasse von 80 000 Quadratmeter Geschossfläche vor. Zusätzlich ist am Alexanderplatz ein 150 Meter hoher Büroturm und am anderen Ende des Komplexes ein 65 Meter hohes Hotel geplant, das vom Architektenbüro Graetz/Nöfer gebaut werden soll. Baubeginn für das Einkaufszentrum ist im nächsten Jahr, fertig soll es 2006 werden, kündigt Projektmanager Martin Philippen an. Hotel und Hochhaus werden dagegen erst errichtet, wenn ihre Rentabilität gesichert ist; also für das Hotel ein Betreiber und für die Büros genügend Mieter gefunden wurden. Philippen rechnet aber „in naher Zukunft“ mit dem Hochhaus-Bau. Neben dem Hotel entstehen 800 Wohnungen.

Das Shopping-Center wird eine Verkaufsfläche von 36 000 Quadratmetern haben (zum Vergleich: in den Potsdamer-Platz-Arkaden sind es 40 000). Dazu kommen Restaurants und in der vierten Etage ein Kino und ein Fitness-Center. Die Investorengemeinschaft aus dem portugiesischen Unternehmen Sonae Imobiliária und der Berliner Wohnungsbaugesellschaft Degewo wollen dafür 300 Millionen Euro ausgeben. Weitere 200 Millionen sollen das Hochhaus und das Hotel kosten. Mehr als 3000 Arbeitsplätze versprechen die Investoren – während der Einzelhandelsverband eine solche Menge an Geschäften an diesem Ort für eine Fehlplanung hält. Der Bedarf daran sei hier nicht gegeben; das Center vergrößere nur das ohnehin schon vorhandene Überangebot an Verkaufsfläche in Berlin.

Einer der beiden Haupteingänge wird Richtung Alexanderplatz an der Grunerstraße liegen, der andere an der Südseite, wo an der Voltairestraße ein kleiner Stadtplatz entsteht. Die Fassaden sollen verputzt oder mit Naturstein verkleidet werden, als Farbton ist ein erdiges Rosa vorgesehen. Eine Steinfassade schlagen Ortner + Ortner auch für das Bürohochhaus vor, dessen 40. und oberste Etage eine 15 Meter hohe gläserne Kuppel krönen soll. Darunter könnte ein Panorama-Restaurant einen spektakulären Blick über den Alex bieten. Es ist allerdings offen, ob diese Idee die anstehende Überarbeitung des Turmentwurfs überdauern wird.

Sollte Sonae tatsächlich im nächsten Jahr mit dem Bau auch des Turms beginnen, wäre dieser das erste der zehn für den Alexanderplatz vorgesehen Hochhäuser. Die anderen Investoren dort haben noch keine konkreten Pläne vorgelegt.

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