Berlin : Bauen in Gottes Auftrag

Sein größtes Projekt in Kreuzberg wird fünf Stockwerke umfassen Architekt Mehmet Bayram plant die großen Moscheen für Berlin

Ariane Bemmer

Die Diplomarbeit, die Mehmet Bayram 1995 geschrieben hat, darf im Nachhinein als prophetisch gelten. Unter dem Titel „Islamisches Kulturzentrum für Berlin“ handelt sie vom Bau eines muslimischen Gotteshauses mit Jugendclub, Café und Bibliothek. In der Einleitung steht, dieses Projekt könne „ein in Berlin bestehendes Defizit decken“. Damals gab es in Berlin keine repräsentativen Bauten für Muslime. Das wendet sich gerade. Jenseits der Sehitlik-Moschee plant und baut beispielsweise die Islamische Föderation (IFB) an fünf Stellen.

Deren Architekt ist Mehmet Bayram, 43, der als Zehnjähriger mit seinen Eltern aus Ostanatolien nach Kreuzberg kam, wo er, inzwischen selbst Familienvater, bis heute lebt. Er steht für den fertigen Neubau der Mevlana-Moschee an der Skalitzer Straße, für Ausbauten und Sanierungen in Neukölln, Tiergarten und Wedding. Sein größtes Projekt wird die große Fatih-Camii an der Falckensteinstraße 25 in Kreuzberg. Ein fünfstöckiger Neubau soll dort entstehen, Sandstein, helle Farben mit erdig-dunkelroten Akzenten und einem kleinen Türmchen. Bayram, ein ruhiger Mann mit freundlichem Lächeln, holt seine Pläne. Er hat ein kleines Büro im ersten Hinterhaus der IFB in Kreuzberg. Im Moment ist hier auch alles Baustelle, die islamische Grundschule der Föderation im zweiten Hinterhof wird erweitert. Dass er es überhaupt an die Fachhochschule geschafft hat, verdankt er seinem Ehrgeiz. Nach Hauptschule und Lehre machte er parallel zur Arbeit abends das Fachabitur nach und erlernte seinen Traumberuf.

Dass in der Falckensteinstraße keine Moschee entsteht, sondern ein Kulturhaus, ist ein Unterschied, der ihm wichtig ist. Höchstens 20 Prozent der Fläche seien für religiöse Zwecke gedacht. Es werde ein Kulturhaus mit Jugendclub, Café, Familienberatung, Sportangeboten, ein offenes Haus. Bayram nennt sich Urheber dieses Stils. Die Moscheen müssten raus aus den Hinterhöfen, sagt er. 210 000 Muslime leben in Berlin. „Das will ich auch irgendwo im Stadtbild sehen.“ Was viele als Zurschaustellung von Andersgläubigkeit empfänden, sei eher ein Bekenntnis zu Deutschland.

Die 76 Moscheen und Gebetsräume in Berlin hätten zusammen nicht mal 15 000 Quadratmeter Fläche. Lieber sollte es wenige und dafür große repräsentative Bauten geben, meint Bayram. Aber dafür müssten die vielen Vereine ihr Geld zusammenlegen, das würden sie wohl nie tun. Die sechs Bauten der IFB kosten zusammen laut Bayram keine zehn Millionen Euro. Das Geld muss gesammelt werden, bei den Innenausbauten arbeiten Firmen umsonst und verbuchen das als Spende. Ein mühseliges Geschäft, sagt Bayram. Den Punkt Finanzierung konnte er nur in seiner Diplomarbeit unbeachtet lassen.

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