Berlin : Bauernregel: Sonnenschein macht Wähler

Sonntagmittag in einem Köpenicker Abstimmungslokal. „Und, wie ist der Andrang?“, fragt ein Bürger. „Wie das Wetter“, erwidert der Wahlvorstand. Bürger: „Also gut?“ Wahlvorstand: „Genau! Wie immer, wenn die Sonne scheint.“

Der Politikwissenschaftler Otmar Jung bestätigt diese Erfahrung: „Es gibt ja Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür jagt. Da gehen nur politisch sehr bewusste Leute zur Wahl.“ Dass Schmuddelwetter der Wahlbeteiligung schadet, ist längst bekannt. Aber sind die frühlingsfrischen 20 Grad an diesem Aprilsonntag nicht viel zu schön für einen Umweg ins schummrige Abstimmungslokal? Nein, sagt Jung, zu gutes Wetter kenne die Wahlforschung nicht. Allerdings seien Wahlen und Volksentscheide nur sehr eingeschränkt vergleichbar, was sich schon an den Zahlen zeige: Die 58 Prozent Beteiligung bei der letzten Abgeordnetenhauswahl seien eher schwach gewesen. Eine vergleichbare Beteiligung beim Einzelthema Tempelhof wäre dagegen sensationell.

Ansonsten sei die Abstimmungsforschung in Deutschland überhaupt noch nicht ausgereift – mangels Gelegenheit zum Üben. obs

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