Berlin : Baufirma erwarb drei denkmalgeschützte Anlagen in Kreuzberg und Neukölln

Cay Dobberke

Gleich drei denkmalgeschützte Umspannwerke des Bewag-Architekten Hans Müller aus den 20er Jahren haben den Eigentümer gewechselt: das zuletzt als Veranstaltungsort "Spannwerk" bekannt gewordene Areal am Paul-Lincke-Ufer 20-22 in Kreuzberg sowie die Bauten an der Bergmannstraße 5-7 im gleichen Bezirk und an der Richardstraße 20 in Neukölln. Käufer ist die auf Altbausanierungen spezialisierte Berliner Bauentwicklungsgesellschaft WABE. Wie Geschäftsführer Reinhold Wagner dem Tagesspiegel sagte, will man einen Betrag "im unteren dreistelligen Millionenbereich" investieren.

Am weitesten gediehen sind die Pläne am Paul-Lincke-Ufer. Noch in diesem Jahr soll die Umgestaltung beginnen, bei der man "nur behutsame Eingriffe machen" und die industrielle Architektur auch innen bewahren will. Die Fertigstellung der wichtigsten Teile ist für Mitte 2001 geplant. Der neue Eigner möchte Firmen aus dem Bereich "Neue Medien", dazu passende kulturelle Institutionen und Architekturbüros ansiedeln. Nicht zum Konzept gehören Läden und Wohnungen, wie sie von anderen Kaufinteressenten vorgesehen waren.

Einer der potenziellen Mieter ist das gemeinnützige "Kulturwerk". Die vom Senat geförderte Institution betreibt unter anderem schon die Druckwerkstatt im Künstlerhaus Bethanien am Mariannenplatz und plant eine Medienwerkstatt. Nach den Worten von Geschäftsführer Bernhard Kotowski geht es um die Bereiche "virtuelle Realität, Video und Computergrafik". Darüber hinaus führe man Mietverhandlungen um das Neuköllner Umspannwerk, wo Bildhauer-Werkstätten entstehen könnten.

Auch das bekannte Hamburger Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp), dessen Berliner Niederlassung ebenfalls am Paul-Lincke-Ufer liegt, zählt zu den Interessenten. Ursprünglich hatte gmp sogar zu den Kaufinteressenten gehört; nun wird laut Architekt Hubert Nienhoff darüber verhandelt, ob man die Planung übernimmt und zudem einige Flächen mietet.

Das Umspannwerk ist seit elf Jahren außer Betrieb, die Gerätschaften wurden längst demontiert. Seit rund 18 Monaten dient die Haupthalle samt Keller als Veranstaltungsort. Im so genannten Spannwerk läuft gerade eine Antiquitäten-Ausstellung. Viele Prominente und Politiker lernten das Baudenkmal vor kurzem bei einer Party der Wochenzeitung "Die Zeit" kennen und waren begeistert. Auch künftig soll es Veranstaltungen und Ausstellungen geben, passend dazu ist auch Gastronomie vorgesehen. "Spannwerk"-Chef Ingo "Tomtom" Schlieske räumt die Halle indes bald und lässt höchstens ein paar Installationen im Keller zurück. Er hat nämlich einen neuen Standort in einer einstigen Kutschenremise an der Boxhagener Straße in Friedrichshain gefunden und plant dort eine "Antikinsel".

Nur am Werk Bergmannstraße sollen zusätzliche Anbauten entstehen. Über ihre Nutzungsideen äußert sich die Firma noch nicht. Ohnehin müsste der Bezirk zuerst den Bebauungsplan ändern, der bisher Wohnen und eventuell eine Kita vorsieht.

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