Berlin : Baufirmen: Strieder will Berliner Arbeitnehmer fördern

C. v. L.

Obwohl Berliner Baufirmen nach Angaben der Senatsbauverwaltung rund 85 bis 95 Prozent des Volumens öffentlicher Bauaufträge erhalten, reichen die Firmen häufig die Aufträge an Subunternehmen außerhalb der Stadt weiter. "Sie kommen nicht bei den Berliner Bauarbeitern an", kritisierte Stadtentwicklungssenator Peter Strieder vor kurzem. Er verlangte von der Berliner Bauwirtschaft "regionale Solidarität". Seine Verwaltung arbeite an einer Regelung, Auftragnehmer verbindlich zu verpflichten, die Zahl ihrer eigenen Arbeitskräfte zu benennen und im Fall ausgelasteter Kapazitäten zusätzlich Arbeiter einzustellen. In Berlin waren im Jahresdurchschnitt 2000 rund 27 600 Bauleute ohne Beschäftigung.

Im vergangenen Jahr betrug das Bauvolumen in Berlin nach Schätzungen etwa 24 Milliarden Mark. Dies biete im Prinzip ausreichend Beschäftigung für die verfügbaren Berliner Arbeitnehmer, sagte Strieder. Der Anteil der Berliner Produktion am gesamten Bau werde aber immer kleiner, und der Anteil der importierten Bau- und Dienstleistungen größer. Viele Firmen beschäftigten auch gar nicht mehr genug Arbeitnehmer, um Aufträge abzuarbeiten und beabsichtigten von vornherein, die Aufträge an auswärtige Unternehmen weiterzugeben.

Norbert Nickel von der Fachgemeinschaft Bau sagte, diese Initiative komme um Jahre zu spät. Schon Mitte der neunziger Jahre hätten Großunternehmen damit begonnen, Baukapazitäten abzugeben und sich auf Planung und Finanzierung zu beschränken. Die Zahl der beschäftigten Bauarbeiter sei mit über 19 000 auf einem Tiefstand und auch der Anteil öffentlicher Bauten, auf die Strieder nur Einfluss nehmen könne, sei von rund 25 Prozent Anfang der neunziger Jahre auf etwa 13 Prozent zurückgegangen. Auch das "Riesenproblem der illegalen Beschäftigung" werde damit nicht gelöst.

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