Bauliche Mängel : Küche der Charité in Mitte geschlossen

Das Gesundheitsamt hat das Versorgungszentrum der Charité in Mitte teilweise sperren lassen. Davon ist vor allem die Küche des Bettenturmes an der Luisenstraße betroffen. Die Patienten werden aus Steglitz versorgt.

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Sanierungsfall. Die Küche neben dem Charité-Bettenturm ist vorerst dicht.
Sanierungsfall. Die Küche neben dem Charité-Bettenturm ist vorerst dicht.Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Das Gesundheitsamt hat das Versorgungszentrum der Charité in Mitte teilweise sperren lassen. Davon ist vor allem die Küche des Bettenturmes an der Luisenstraße betroffen. Schmutz aus Rissen im Gemäuer hätte auch ins Essen gelangen können, urteilte die Gesundheitsbehörde. Schon seit Montag dürfen dort für die Patienten im Hochhaus keine warmen Gerichte mehr zubereitet werden. Die rund 1400 Essen, die auf dem Campus in Mitte dreimal am Tag gereicht werden, kommen nun bis auf Weiteres mit Lastwagen aus der Steglitzer Dependance des Universitätsklinikums.

Die baulichen Mängel des Küchentraktes sind offenbar schon länger bekannt gewesen. Dass Gesundheitsbeamte in den vergangenen Wochen mehrfach vor Ort waren, die monierten Mängel aber nicht beseitigt worden seien, liege möglicherweise auch an „internen Kommunikationsdefiziten“, wie die Klinik mitteilte. In den mit den Vorgängen befassten Abteilungen hatte es zuletzt auch Personalwechsel gegeben, was ein Grund dafür sein könnte, dass die behördlichen Mahnungen nicht bis zur Klinikleitung durchgedrungen waren. Die Charité teilte mit, dass für die Patienten und Mitarbeiter dennoch zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr durch die in Mitte zubereiteten Speisen ausgegangen sei. „Die Auflagen erfolgten nicht aufgrund eines akuten Hygieneproblems, sondern waren vorsorglicher Natur“, hieß es. Man habe umgehend mit der Mängelbeseitigung begonnen. Die Küche wird von der Tochterfirma „Charité Facility Management“ (CFM) betrieben, die vor fünf Jahren aus der Klinik ausgegliedert wurde – und deren Küchen-, Reinigungs- und Wachschutzpersonal weniger als die Stammbelegschaft verdient.

Die Universitätsklinik soll in den kommenden Jahren umfassend saniert werden. Der Senat hatte der Klinik für ihre drei Standorte insgesamt 330 Millionen Euro für dringende Modernisierungen zugesagt. Wenn die groß angelegten Sanierungen in Mitte beginnen, wird der marode Versorgungstrakt ohnehin abgerissen. Der FDP-Gesundheitsexperte Kai Gersch monierte, es sei zu befürchten, dass die Senatsmittel für die kurzfristige Behebung solcher baulichen Mängel verwendet würden statt wie geplant für eine grundlegende Sanierung der Infrastruktur. Eine Sprecherin der Klinik wies darauf hin, dass die vom Gesundheitsamt angemahnten Mängel durchaus mit kleineren Summen zu beheben seien und die Charité die Senatsmillionen ohnehin erst in den kommenden Jahren ausgezahlt bekomme. Spötter innerhalb der Klinik sagten allerdings, dass die Charité-Leitung dennoch wenig Grund gehabt habe, in den maroden Versorgungstrakt zu investieren. Außerdem werde die Küche von der Tochterfirma CFM betreut, die schon vor zwei Jahren in einen Streit um Arbeits- und Hygienebedingungen verwickelt war: Die für die 900 CFM-Reinigungskräfte zuständige Gewerkschaft IG Bau hatte dagegen protestiert, dass die Mitarbeiter teilweise nicht geimpft seien. Außerdem habe sich eine Reinigungskraft ohne Schutzhandschuhe an einer Spritze gestochen. Zumindest Ersteres bestritt die Klinik. Rund 130 000 Patienten werden jährlich in der Charité stationär versorgt, dazu eine halbe Millionen Menschen ambulant behandelt. Pro Jahr macht Europas größtes Universitätsklinikum 1,1 Milliarden Euro Umsatz und ist mit 10 400 Vollzeitstellen der viertgrößte Arbeitgeber der Stadt.

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