Baumaßnahmen : Neuer Schotter für die Hochbahn

Derzeit wird die U 1 saniert, danach die U 2 – und auch in den kommenden Jahren gibt es Großbaustellen. Die Gesamtkosten der Wartungsarbeiten an den Viaduktstrecken belaufen sich auf 80 Millionen Euro.

Klaus Kurpjuweit
U1
Sanierung auf Stelzen: Die U1 wird derzeit zwischen Kottbusser Tor und Gleisdreieck saniert. -Foto: Günther Peters

Die U-Bahn bleibt auch in den kommenden Jahren eine Großbaustelle – verbunden mit weiteren, monatelangen Sperrungen. Vor allem die Hochbahnabschnitte der heutigen Linien U 1 (Warschauer Straße – Uhlandstraße) und U 2 (Pankow – Ruhleben), die als erste Strecken im Netz gebaut worden waren, sind dringend sanierungsbedürftig.

Derzeit ist der Verkehr auf der U 1 zwischen Kottbusser Tor und Gleisdreieck unterbrochen. Die Arbeiten sollen Ende Oktober beendet sein. „Wir sind voll im Zeitplan“, versicherte U-Bahn-Bauchef Uwe Kutscher gestern. Die Stahlbleche, auf denen der Schotter lag, sind zum großen Teil verrostet; stellenweise gibt es bereits Löcher in der Konstruktion. Die tragenden Teile seien aber intakt geblieben und hielten auch noch weitere 50 Jahre, versicherte Kutscher.

Auf den sonst üblichen Schotter verzichtet die BVG jetzt auf dem Kreuzberger Abschnitt der Hochbahn. Statt dessen befestigt sie die Schienen auf Stahlträgern, gegen Lärm und Schwingungen geschützt durch eine Gummimatte und für die Wärmeausdehnung gleitend auf einer Teflonschicht. So können die Brücken erhalten bleiben.

Mitte der 90er Jahre hatte die BVG Originalbrücken noch abgerissen und durch Neubauten ersetzt, was Denkmalschützer heftig kritisiert hatten. Im jetzt zu sanierenden Abschnitt seien die meisten Anlagen aber bereits in den 30er Jahren erneuert worden, sagte Kutscher. Doch auch diese stehen unter Schutz. Angenehmer Nebeneffekt: Der Verzicht auf Abriss und Neubau reduziert die Kosten um zwei Drittel. 11,5 Millionen Euro werden die jetzigen Arbeiten auf dem 1,2 Kilometer langen Abschnitt kosten; die Sanierung der gesamten Viaduktstrecke wird rund 80 Millionen Euro erfordern. An den letzten Abschnitt zwischen Kottbusser und Schlesischem Tor will sich die BVG 2010/2011 machen.

Zuvor ist im nächsten Jahr die Strecke auf der U 2 nördlich der Schönhauser Allee an der Reihe, danach folgt der Südabschnitt bis zum Bahnhof Senefelderplatz. Auch hier wird es jeweils monatelange Sperrungen geben. Beginnen sollen im nächsten Jahr ebenfalls die Arbeiten an den Hochbahnstrecken im Bahnhof Gleisdreieck, auf dem sich die Linien U1 und U 2 kreuzen. Dann soll der Bahnhof zudem Aufzüge erhalten. Gescheitert ist allerdings der Plan, vor der nächsten Streckensperrung in diesem Bereich wenigstens den Aufzug zwischen den beiden Bahnsteigen einzubauen.

Doch nicht nur die Hochbauten sind in die Jahre gekommen. Am Bahnhof Wittenbergplatz sind die Decken abzudichten, wozu die Straße zum Teil aufgerissen werden muss. Und erneuerungsbedürftig ist auch die erst 1961 eröffnete Station Kurfürstendamm, die aber bereits unter Denkmalschutz steht. Die BVG darf dort jetzt zwar neue Granitplatten auf dem Boden anbringen, muss beim Ausbessern der Wände im Bereich der U 1 aber wieder die kleinteiligen Fliesen wie beim Original anbringen. Der Bahnsteig der U 9 ist bereits vor Jahren saniert worden.

Baulich unverändert bleibt auch der Ausgang von der U 9 zur Joachimstaler Straße mit seinen vielen Ecken. Weil die unübersichtliche Anlage als Urinal missbraucht worden ist, hat die BVG an den Ecken Spiegel anbringen lassen, die „Sünder“ abschrecken sollen.

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