Baumblütenfest in Werder/Havel : Attila, der Obstweinkönig

Sonntag endet das Fest in Werder. Zeit für einen Besuch im Privatgarten des "Rasenden Reporters" vom RRB. Über Brandenburg sagt Attila Weidemann: "Ich war fasziniert, was dort alles passierte“.

Christoph Stollowsky
Zeit, dass sich was dreht. Unten am Havelufer ist in Werder viel Trubel. Oben in den Weingärten geht es idyllischer zu.
Zeit, dass sich was dreht. Unten am Havelufer ist in Werder viel Trubel. Oben in den Weingärten geht es idyllischer zu.Foto: dpa

Hinterm Flieder liegt das Idyll. Hier oben in Werder, auf dem „Hohen Weg“, wie die Straße der privaten Obstweinverkäufer heißt, liegt ein besonderer Garten. Das liegt nicht nur an der Wurst, die hier verkauft wird („Schön scharf!“), auch nicht an den Schmalzbroten und dem Obstwein, sondern auch an dem Verkäufer, den viele so vertraut herzen: „Kann ich ein Foto mit Ihnen machen?“ Nur: Wer, bitte, ist dieser Mann?

Dieser Mann heißt Attila Weidemann; er ist seit den 90er Jahren für den RBB in Brandenburg unterwegs, nahezu zwölf Jahre lang als „Rasender Reporter“. Er war nah dran an Land, Leuten, holte alles vor die Kamera – Pudelrennen-Fans, Golfer, Jugendorchester, Kanu-Abenteurer, Müllmänner, Naturschutz-Ranger oder Leute, die ihren Trabi zum Festgrill ungebaut haben. Der Rasende Reporter war ein Markenzeichen: Knatternder blauer Schwalbe-Motorroller, Schirmmütze, Sonnenbrille – so tourte er durch die Mark. Kein Wunder, dass den so viele kennen.

Attila Weidemann, offener Hemdkraken, saloppe Stoffjacke, jungenhaftes Lächeln, Fönwellen-Frisur. Ein Typ, der im Ziegenstall einer Bio-Ranch eine genauso gute Figur macht und sich ebenso wohlfühlt wie beim Dinner im Schlosshotel. „Gleich nach der Wende bin ich voll in den Osten gegangen“, sagt er. Aufgewachsen bei Freiburg, kam der heute 47-Jährige zur Wendezeit nach Berlin, studierte dort Publizistik und Slawistik. Doch rasch zog es ihn zum Journalismus und nach Brandenburg. „Ich war fasziniert, was dort alles passierte“. In seiner Jugend in Freiburg sei vieles „eng und geregelt gewesen“.

2002 zog Weidemann nach Werder an der Havel

Brandenburg aber „war nicht verbaut, alles war noch offen für Überraschungen“. Engagierte Menschen, über die er berichtete, wie Artur Labrenz, der 2009 verstorbene „Storchenvater“ aus Rühstädt, brachten eine ganze kleine Region voran. „Ein toller Mann, Vogelschutz war seine Passion“, erinnert sich Weidemann. „Der hat das Dorf und die Störche total bekannt gemacht“. Weidemann lacht. „Da geht einem doch das Herz auf. Mit leuchtenden Augen fahren viele Berliner seither nach Rühstädt.“

Attila Weidemann berichtet seit 1993 für den RBB.
Attila Weidemann berichtet seit 1993 für den RBB.Foto: promo/RBB

Aber mehr als 20 Jahre Brandenburg-Reporter – wird das nicht irgendwann öde? Ganz und gar nicht, sagt er. „In diesem Land kann man ein Leben lang auf Entdeckungstour gehen. Das ist definitiv nicht langweilig“, sagt Weidemann. 2002 hat er sich mit seiner Familie entschlossen, von Berlin nach Werder zu ziehen. Vorher unternahmen sie oft Wochenendausflüge nach Brandenburg, waren aber vom „vielen Herumtouren sonntagabends ganz erschossen“. Deshalb wollten sie ’rausziehen, verliebten sich in die Baumblütenstadt – aber vor allem in den Hügel, der zur Bismarckhöhe hinaufführt. Schauten fasziniert auf die Havel hinab. „Wo hat man in Brandenburg schon einen derart tollen Ausblick?“, schwärmt Weidemann.

Attila Weidemann wohnt in Werder mit seiner Familie

Zwei Jahre haben sie gewartet, bis endlich ein Haus mit großem Grundstück am Hohen Weg 45 verkauft wurde. Dort lebt Attila Weidemann heute mit seiner Frau Tatjana und den Kindern Mika (6), Anton (9) und Daria (17). Daria hat gerade das Abitur geschafft, sein ältester Sohn Leonid (21) ist Student. Er wohnt nicht mehr zu Hause. „Chefin des Grundstücks“, sagt Weidemann, ist allerdings Luna, ihre sechsjährige Border-Collie-Hündin. Vor zwei Jahren, als sie ihren Garten beim Baumblütenfest erstmals in der Tradition der früheren Werderaner Bauern öffneten, reagierte Luna noch etwas knurrig. Doch inzwischen ist sie Weidemanns Empfangshund. „Sie begrüßt unsere Besucher, hütet und umkreist sie wie eine Schafherde.“

Das passt gut zu seinem zweiten Job als Tier-Reporter. Seit 2007 moderiert Weidemann an jedem zweiten Mittwoch die „RBB-Tiervermittlung“. Ob Pudel Jacky aus dem Tierheim Berlin oder der weiße Kater „Meister Propper“ von der Cottbuser Katzenhilfe – seine Erfolgsquote ist hoch: neun von zehn tierischen Kandidaten finden kurz darauf ein neues Zuhause. Und alle paar Wochen moderiert er „tier zuliebe“, eine Sendung, bei der es um tierische Geheimnisse geht. Zum Beispiel: Was macht die besondere Beziehung zwischen Mensch und Hund aus?

Ins TV-Studio Babelsberg fährt Weidemann jetzt im Frühjahr wieder per Rad. Ein E-Bike hat er sich gekauft. Sein Lieblingsweg führt durch den Wildpark und Potsdams Schlossgärten. „Herrlich“, sagt er. „Da sind wir als Brandenburger doch wirklich privilegiert.

Das Baumblütenfest endet am Sonntag, den 4. Mai 2014. Mehr lesen Sie unter diesem Link.

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