Baumfällungen : Kahlschlag am Tegeler Gefängnis

Hunderte Bäume wurden gefällt und der Wald um den Tegeler See großflächig gelichtet. Doch keiner will schuld sein. Die Behörden weisen sich gegenseitig Verantwortung zu.

Rainer W. During

Im Waldstück neben der Justizvollzugsanstalt Tegel, zwischen der Seidelstraße und dem Flughafensee, fallen derzeit Hunderte von Bäumen. Forst- und Justizverwaltung schieben sich gegenseitig die Verantwortung für den Kahlschlag zu.

Per Knappe war entsetzt, als er wie üblich am Flughafensee in Tegel joggte. In das Wäldchen wurden breite Schneisen geschlagen, der Boden ist von den Reifen schwerer Geländefahrzeuge aufgewühlt. Am Rande der Wege liegen als Ergebnis des Kahlschlags große Stapel verkaufsfertig geschnittenen Holzes.

„Das sieht im Augenblick verheerend aus“, sagt Revierförster Matthias Eggert. Weil das Personal der Berliner Forsten drastisch reduziert wurde, gibt es keine Waldarbeiter mehr, die Fällungen individuell mit der Kettensäge vornehmen. Statt dessen kommt Spezialgerät einer Fremdfirma zum Einsatz. Deren „Prozessor“ greift, sägt, entastet und schneidet die Bäume in einem Arbeitsgang. Weil das Gerät mehr Platz braucht als ein Arbeiter, müssen im Abstand von rund 20 Metern breite „Rückegassen“ komplett gerodet werden.

Hatten die Berliner Forsten nach der Vereinigung 740 Mitarbeiter, sind es heute nur noch „unter 300“, sagt Förster Eggert, der die IG Bauen, Agrar und Umwelt vertritt. Schaffte ein Waldarbeiter früher 10 bis 20 Kubikmeter Holz am Tag, bringt es das Spezialgerät auf 100 bis 180.

Laut Eggert hatte die Justizverwaltung einen fünf bis zehn Meter breiten Freiraum vor der Gefängnismauer gefordert. Diese wird zunehmend mit Videokameras überwacht. „Die Forstverwaltung fällt dort zur Hege und Pflege des Waldes“, hieß es dagegen bei der Senatsverwaltung für Justiz. Man selbst sei „nur Nutznießer“ der Fällungen.

Man habe sich entschieden, die von der Justiz geforderte Rodung selbst vorzunehmen, weil die Aktion sonst außerhalb der Kontrolle der Berliner Forsten gelegen hätte, sagt dagegen Förster Eggert. In diesem Fall wäre ein umständliches Genehmigungsverfahren notwendig geworden. Weil das gesamte, gut zehn Hektar große Waldstück einen „erheblichen Durchforstungsrückstand“ aufwies, habe man sich zu der Großaktion entschlossen. Gefällt werden überwiegend Kiefern, aber auch einige Eichen und Birken. Die Fällung der Kiefern soll auch das Wachstum der Laubbäume fördern.

Die Durchforstung sei mit den Naturschutzverbänden abgesprochen, betont Eggert. Als Ersatzmaßnahme werden rund 1000 Gehölze gepflanzt. „In ein bis zwei Jahren ist nichts mehr von der Rodung zu sehen“, verspricht der Förster. Rainer W. During

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