Baupläne : Alles im Plan in der West-City

Ob Riesenrad, Zoofenster oder Haus Cumberland: In der City-West geht es trotz Finanzkrise voran.

Cay Dobberke

Trotz der Finanzkrise ist anscheinend keines der großen Bauprojekte in der Berliner City-West gefährdet. So rollen zwischen Bahnhof Zoo und Breitscheidplatz weiterhin die Bagger für das „Zoofenster“-Hochhaus, obwohl die arabischen Bauherren noch keinen Betreiber für das geplante Luxushotel gefunden haben. Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) kündigte am Montag an, dass die Bauarbeiten im Januar deutlich ausgeweitet werden.

Im Rahmen des Zoofenster-Baus sei 2009 auch mit einem Teilabriss des gegenüberliegenden Schimmelpfeng-Hauses zu rechnen, sagte Gröhler. Die Überbauung der Kantstraße solle verschwinden. Dadurch rückt die Straße optisch „näher an die Gedächtniskirche heran“. Die Gebäudeteile beiderseits der Straße bleiben vorerst stehen. Denn der dort geplante Neubau – ein zweites Hochhaus mit Hotel und Geschäften – verzögert sich. Ein Vertrag des Eigentümers Eurohypo mit der inzwischen insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers war im Herbst aufgelöst worden. Die Stadtentwicklungsverwaltung sah damals keinen Zusammenhang mit der Finanzkrise, es sei nur „zu keiner Einigung gekommen“. Seitdem sucht die Eurohypo einen neuen Käufer.

Beim Aussichtsrad am Zoo, das sich ab 2010 drehen soll, rechnet der Bezirk nicht mehr mit Problemen. Wegen gestiegener Stahlpreise war die vorgesehene Höhe von 185 auf 175 Meter reduziert worden. Um Kosten zu sparen, änderten die Bauherren auch die Pläne für die „Abflughalle“. Laut Gröhler macht dies kleinere Änderungen am städtebaulichen Vertrag nötig. Für eine Tiefgarage unter dem Hardenbergplatz beginnt im Frühjahr die Ausschreibung. Laut Gröhler hält die Stadtentwicklungsverwaltung 300 Stellplätze für ausreichend, während potenzielle Bieter signalisierten, dass die Anlage erst mit 400 Plätzen wirtschaftlich sein könne. Deshalb will Gröhler die Ausschreibung flexibel gestalten.

Am Kurfürstendamm will die Orco-Gruppe das leer stehende Haus Cumberland neu beleben. Für Januar hat Gröhler die Planer zu Gesprächen eingeladen. Orco will Luxusboutiquen, Gastronomie und Büros ansiedeln. Der bezirkliche Stadtplanungsausschuss hatte das Konzept begrüßt. Jetzt aber teilte Orco mit, dass auch Großraumbüros entstehen sollen. Laut Gröhler müsste der Altbau weitgehend entkernt werden, um die Tragfähigkeit zu steigern. „Vom Baudenkmal bliebe innen nicht viel übrig“, kritisiert er. Ob die Meinungsverschiedenheit das Projekt verzögern wird, ist unklar. Orco hofft auf eine Baugenehmigung im Februar. Ein neues Gesicht soll außerdem der „Zoobogen“ an der Budapester Straße bekommen, zu dem das Kino Zoo-Palast gehört. Der Baubeginn scheint jedoch offen, weil der Alleineigentümer des Investors Bayerische Immobilien-Gruppe verstorben ist.

Fraglich bleibt auch die Zukunft des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm. Das Bezirksamt hatte lange damit gerechnet, dass eine der Bühnen erhalten bleibt. Gröhler nennt es „einen heftigen Schlag“, dass der irische Eigentümer des Ku’damm-Karrees nun beide Spielstätten abreißen will und nur einen Theaterneubau plant. Der Bezirk könne dies nicht verbieten. Doch seien dafür wohl Befreiungen vom Planungsrecht oder ein neuer Bebauungsplan nötig. Dies könne man „in die Waagschale werfen“, um in Verhandlungen vielleicht doch noch einen der Säle zu retten. 

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