Baupläne für die alte Mitte : Neue Wüste Berlin

Dichte Bebauung für das Areal zwischen Fernsehturm und Spree? Grauenhaft, sagen zwei alte DDR-Architekten. Vorgesehen waren stattdessen mal ein Park und Wasserläufe.

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Megabaustelle. Im einstigen kleinen Park am Roten Rathaus und Nikolaiviertel - dem Marx-Engels-Forum - wird derzeit der Tunnel für die U-Bahnlinie U5 gebaut. Foto: Mike Wolff
Megabaustelle. Im einstigen kleinen Park am Roten Rathaus und Nikolaiviertel - dem Marx-Engels-Forum - wird derzeit der Tunnel für...Foto: Mike Wolff

Im Moment sieht es auf dem Gelände aus wie bei Hempels: Wirrwarr. Baukräne, Gruben, Zäune, Sandberge, Raupenbagger. Der kleine Park zwischen Neptunbrunnen und Spree ist zur urbanen Rumpelkammer geworden. Über die Zukunft des Geländes zwischen Fernsehturm und Spree möchten zwei der wichtigsten Architekten von damals, als der „Festraum der Stadt“ konzipiert wurde, am liebsten gar nicht sprechen. Vor allem Pläne, das Areal rund um die Marienkirche zu bebauen, um Uralt-Berlin zurückzuholen und die späte Moderne aus DDR-Zeiten vergessen zu machen, regen sie auf.

Man hört förmlich, wie Architekt Manfred Prasser am Telefon in seinem Haus nahe Wensickendorf tief Luft holt und losschäumt über die Ignoranz, nicht gefragt oder zu Planungssitzungen nicht als wichtiger Zeitzeuge eingeladen zu werden. Da würde er es ihnen aber geben, den Zerstörern von Arbeit und Ideen. Die werden mit dem Park womöglich ebenso umgehen wie einst mit dem Großen Saal im Palast der Republik, den er entworfen und gebaut hatte. Für ihn sind „die Rheinländer“ die neue Besatzungsmacht in Berlin, da müsse man sich doch nur manch monotone Neu- und Ministeriumsbauten angucken. Ähnliches befürchtet er für die neue Mitte Berlins: „Du kannst an dieser Stelle doch nicht das Vorkriegsberlin zurückholen. Da müsste man zum Beispiel die alte Markthalle wieder aufbauen und den Fernsehturm abreißen. Was für ein Quatsch!“

Ein Jahr Humboldt-Box
Alles so klein hier. In der Humboldtbox ist Berlins Mitte in einem wunderbaren Stadtmodell zu sehen. Foto: Davids/Sven DarmerWeitere Bilder anzeigen
1 von 18Foto: Davids/Sven Darmer
30.06.2012 13:30Alles so klein hier. In der Humboldtbox ist Berlins Mitte in einem wunderbaren Stadtmodell zu sehen.

Der Bau der U-Bahnlinie 5 hat die vier Hektar Grün zu großen Teilen zur Wüstenei gemacht. Und niemand kann sagen, wie es um dieses Stückchen Hyde-Park im Zentrum von Berlin bestellt sein wird, wenn (frühestens in drei Jahren) die U-Bahn zwischen Alex und Hauptbahnhof unter dieser grünen Wiese rollt und dabei die Spree unterquert. Gerade befasste sich das TU-Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik auf einem Symposium mit Vergangenheit und Gegenwart des Freiraumes, der unter Architekt Hermann Henselmanns „Turm der Signale“ in den siebziger Jahren als Bürgerforum entstanden war. Axel Zutz, einer der Initiatoren, sagte dabei: „Bebauung käme einem zweiten Palast-Abriss gleich. Sie wäre eine nicht hinnehmbare Privatisierung öffentlichen Eigentums, dafür gibt es kein Mandat“.

Berlin Alexanderplatz - Entwürfe für die Neugestaltung
Alfred Döblin widmete ihm 1929 seinen weltberühmten Großstadtroman: dem Alexanderplatz in Berlin. Und auch knapp 100 Jahre später gilt er immer noch als eines der Wahrzeichen der Hauptstadt. Seit einiger Zeit gibt es nun schon Pläne, dem Alex, wie er von allen nur noch liebevoll genannt wird, ein neues, frisches Gesicht zu geben. Doch bisher hat sich noch nicht viel getan. Diese Postkarte aus der Zeit um 1900 zeigt, wie er früher einmal aussah. Wir zeigen Ihnen, wie er in Zukunft aussehen soll. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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27.01.2014 14:55Alfred Döblin widmete ihm 1929 seinen weltberühmten Großstadtroman: dem Alexanderplatz in Berlin. Und auch knapp 100 Jahre später...
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