Bauprojekt : Mediaspree-Gegner protestieren gegen neues Bürohaus

Der Baukonzern Hochtief will am Friedrichshainer Flussufer einen Bürowürfel hochziehen. Die Bürgerinitiative fühlt sich bei der Planung außen vor gelassen.

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Foto: Mediaspree-Gegner nach einer Demonstration im Juni 2010.

Die Realisierung des nächsten Bauvorhabens im Gebiet Mediaspree steht kurz bevor: Der Essener Konzern Hochtief will in Nachbarschaft von NH-Hotel und MTV „Berlins Große Freiheit“ errichten. Der klangvolle Name steht für einen eher unspektakulären Bürokubus mit sieben Geschossen und einer Nutzfläche von gewaltigen 9400 Quadratmetern. Entworfen wurde das Quartier von den Architekten „nps Tschoban voss“, die unter anderem das Kino-Haus „Cubix“ neben den Rathauspassagen nahe Alexanderplatz errichtet haben.

Nach Angaben des Konzerns soll der Grundstein im ersten Quartal kommenden Jahres gelegt werden und ein Jahr später soll der Neubau fertig sein – „auf Mieterwunsch können auch frühere Termine realisiert werden“, heißt es aber. Der Baukonzern besitzt das Baugrundstück bereits seit mehreren Jahren. Wegen der schwachen Nachfrage nach Büroflächen infolge der Wirtschaftskrise hatte man bisher aber die Realisierung aufgeschoben. Das hat sich nun offensichtlich geändert: „Die Mietergespräche laufen gut und wir sind zuversichtlich, dass sie positiv zum Abschluss gebracht werden können“, sagte Hochtief-Sprecher Christian Gerhardus.

Das Hochtief-Projekt liegt auf einem Grundstück, das bisher nicht im sogenannten „Sonderausschuss Spreeraum“ behandelt wurde. Das Gremium in der Bezirksverwaltung Friedrichshain-Kreuzberger wurde nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid gegen die bisherigen Pläne zur Bebauung der Spreeufer gegründet. Darin sind auch „Bürgerdeputierte“ vertreten, die die Interessen der Anlieger vertreten. Der Sprecher der Bürgerinitiative Carsten Joost sagt: „Wir appellieren, dieses Projekt nicht zu genehmigen und es im Rahmen der Gesamtplanung für die Ufer zu realisieren.“

Die gegenwärtige Planung wird nach Auffassung der Initiative nicht den Forderungen der Bürgerinitiative gerecht. Diese verlangt mindestens 50 Meter breite Uferstreifen für die Öffentlichkeit und lehnt massive geschlossene Blöcke ab, die den Zugang vom Wohnquartier zum Wasser versperren. Die gegenwärtige Planung von Hochtief widerspreche diesen Kriterien.

Beim Bezirk war urlaubsbedingt keine Stellungnahme über den gegenwärtigen Stand der Planungen für das Friedrichshainer Ufer und den Osthafen zu bekommen. Bei der landeseigenen Behala, die in dem Gebiet noch fünf Grundstücke anbietet, hieß es, bisher habe noch niemand die Leitlinien der umgebenden Bebauung infrage gestellt. Der Block von Hochtief orientiert sich in seinem Volumen an den Nachbarbauten, die vor dem Bürgerentscheid genehmigt und teilweise realisiert worden waren. Möglicherweise kann sich Hochtief auf diese umgebungstypische Bebauung berufen haben, um die Genehmigung zu erhalten. Dies ist rechtlich möglich und umgeht die sonst übliche Bürgerbeteiligung.

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