Bauprojekte : Hauptbahnhof: Forscher buddeln am Spreestrand

Die Ausschreibung für das neue Bundesministerium beginnt. Doch das ist nicht das einzige Bauprojekt am Hauptbahnhof.

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Mit Weitsicht. Aus dem Hauptbahnhof blickt man ab 2012 auf den 70-Meter-Turm vom Ölkonzern Total. -Simulation: Vivico Real Estate

In der kommenden Freiluftsaison kann der „Bundespressestrand“ wieder zum Cocktailtrinken mit Spreeblick einladen – doch ein Ende der Idylle ist absehbar: Auf dem Grundstück am Kapelle-Ufer entstehen im Laufe der kommenden Jahre ein Neubau des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie ein „Haus der Zukunft“. Das sagte Ministeriumssprecher Christian Herbst am Mittwoch. Für den neuen Standort des Ministeriums beginne jetzt die einjährige Ausschreibung, die Grundsteinlegung sei für das Frühjahr 2012 geplant und die Eröffnung im Laufe des Jahres 2014.

Für das „Haus der Zukunft“ gibt es dagegen noch keinen Zeitplan. Dieses Projekt hatten die Bundes-CDU und die FDP in ihrem Koalitionsvertrag verankert. Nach Auskunft des Ministeriums geht es um ein „Ausstellungs- und Kommunikationszentrum“ mit Veranstaltungsräumen, das als „Schaufenster“ für wissenschaftliche Entwicklungen und Innovationen fungieren und mit Unterstützung der deutschen Wirtschaft betrieben werde. Noch gebe es nur ein „Grobkonzept“, das in den kommenden Monaten verfeinert werde. Rund 4000 Quadratmeter würden bebaut.

Das neue Ministerium nehme zusätzliche 14 400 Quadratmeter des Ufergrundstücks ein. Es ist nicht nur für die rund 350 Mitarbeiter in Berlin gedacht: Vorsorglich entstehen auch Büros für die 650 Beschäftigten am Standort Bonn. Das Forschungsministerium richtet sich also bereits auf einen möglichen kompletten Umzug aller Ministerien nach Berlin ein, den der Bundestag beschließen müsste. Bis dahin sollen die Reserve-Büros an Unternehmen zwischenvermietet werden. Die Kosten des Ministeriumsbaus sind noch nicht bekannt.

Johanna Ismayr, Geschäftsführerin des „Bundespressestrands“, reagierte gestern gelassen: „Wir haben ja gewusst, dass hier irgendwann gebaut wird“, außerdem sei die Strandbar schon mehrmals umgezogen. Es gebe bisher keinen Räumungstermin, und sie rechne auch nicht unbedingt mit einem pünktlichen Baubeginn. Der Vertrag der Bar gilt je ein Jahr lang.

Rund um den Hauptbahnhof und das Regierungsviertel gibt es noch weitere große Bauprojekte. So siedeln sich allein in der Umgebung des Bahnhofs drei Hotels an. Erst vor wenigen Tagen unterzeichnete die Arabella-Starwood-Gruppe den Pachtvertrag für das erste Berliner Hotel der Marke Sheraton, das 2012 nordwestlich des Bahnhofs eröffnen soll (wir berichteten). In der Nachbarschaft baut auch Motel One, während am Washingtonplatz bereits ein Meininger-Hotel eröffnet hat.

Darüber hinaus will die auf ehemalige Bahnimmobilien spezialisierte Firma Vivico das riesige Brachgelände an der Heidestraße mit einem Quartier bebauen. Zu der sogenannten Europacity gehören vier geplante Hochhäuser. In einen 70-Meter-Turm will der Mineralölkonzern Total in zwei Jahren seine Deutschlandzentrale mit rund 500 Mitarbeitern verlagern, derzeit arbeiten die Berliner Total-Beschäftigten an der Jerusalemer Straße in Mitte. Die Arbeiten für den Neubau beginnen voraussichtlich in diesem Jahr. Für die übrigen drei Hochhäuser sucht die Vivico noch Nutzer.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher glaubt, das Geschäftsviertel werde nicht zuletzt von der Nähe zum Kunstquartier am Hamburger Bahnhof profitieren, das ebenfalls ausgebaut werden soll. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) nennt den Standort „einen Schatz, dessen Wert für Berlin man sich angesichts der unerschlossenen Brachen noch gar nicht vorstellen kann“. Die Gegend werde mit neuen Grünanlagen auch zum Erholungsgebiet. Am Spandauer Schifffahrtskanal ist außerdem ein „hochwertiges Wohnquartier“ geplant. Insgesamt geht es bei dem Masterplan um 40 Hektar sowie 600 000 Quadratmeter Büro- und Wohnfläche – damit ist das Vorhaben etwa dreimal größer als der Potsdamer Platz.

Am nahe gelegenen Humboldthafen sucht der Berliner Liegenschaftsfonds unterdessen Investoren für insgesamt 12 000 Quadratmeter große Grundstücke. Der städtebauliche Entwurf sieht an dieser Stelle den Bau von Hotels, Büros und Wohnungen vor. Cay Dobberke

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