Berlin : Baustart für S-Bahnhof

Nach fast 20-jährigem Gezerre haben gestern die Arbeiten an der Kolonnenstraße begonnen

Klaus Kurpjuweit

Gestern war es soweit: Nach fast 20-jähriger Planungs- und Verhandlungszeit haben gestern symbolisch die Arbeiten für den neuen S-Bahnhof Kolonnenstraße unter der Julius-Leber-Brücke begonnen. Vom April 2008 an sollen hier in Schöneberg die Züge der S 1 (Oranienburg–Wannsee) halten. Die neue Station kostet rund 6,4 Millionen Euro, die der Bund, die Bahn und das Land aufbringen.

Rund 17 300 Fahrgäste, so haben die Planer ermittelt, werden täglich auf diesem Bahnhof ein- oder aussteigen – so viele etwa wie im Anhalter Bahnhof. Trotzdem entsteht an der Kolonnenstraße nur ein Zweckbau; auf eine aufwändige Architektur haben Bahn und Land verzichtet.

Das führt aber auch dazu, dass der größte Teil der beiden Bahnsteige, die außen an den bestehenden Gleisanlagen angebracht werden, ohne Dach bleiben. Lediglich die Treppen, die von der Julius-Leber-Brücke zum Bahnsteig führen, werden überdacht; auf den Bahnsteigen gibt es nur Wartehäuschen. Noch hofft man, dass der Bau des Bahnhofs billiger werden könnte als kalkuliert. Dann könnte das Geld vielleicht doch noch für ein längeres Dach reichen.

Nicht sparen wird die Bahn an der behindertengerechten Ausstattung der Station. Aufzüge zu den Bahnsteigen werden gleich eingebaut; für Blinde soll es zudem von Anfang an besondere ertast- oder hörbare Hinweise geben. Dies soll bei Neubauten zukünftig Standard sein, sagte gestern Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Neue Bahnhöfe sind bei der S-Bahn in nächster Zeit allerdings nicht geplant. Der gemeinsam mit der Station Kolonnenstraße konzipierte Haltepunkt Buch-Süd ist inzwischen zu den Akten gelegt worden.

Auch der Bau an der Kolonnenstraße stand lange auf der Kippe. Erste Pläne von 1987 erwiesen sich als zu teuer, nach der Einheit sei es dann zunächst wichtiger gewesen, das getrennte Netz wieder zu verbinden, sagte gestern der Berliner Bahnchef Ingulf Leuschel.

Der Bürgermeister von Tempelhof-Schöneberg, Ekkehard Band (SPD), hatte gestern beim Baustart am Bahnhof nur noch einen Wunsch. Er solle künftig Julius-Leber-Brücke (Kolonnenstraße) heißen.

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