Berlin : Baustelle Regierungsviertel: Die Kräne verschwinden, die Bäume kommen

Jörn Hasselmann

Bagger und Kräne rücken aus dem Regierungsviertel ab, jetzt kommen die Gärtner. Am Reichstag wurden gestern zehn Großbäume gepflanzt, die pro Stück 19 000 Mark kosten. Die jeweils 13 Meter großen Platanen, Eichen und Ahorne kamen mit zehn Tieflastern aus einer Hamburger Baumschule. Zwischen John-Foster-Dulles-Allee und Straße des 17. Juni wird der Tiergarten "in seinen alten Grenzen" mit 400 Sträuchern und 100 Bäumen wieder aufgeforstet. Seit den 60er Jahren zerschnitt dort die Entlastungsstraße die grüne Lunge der Stadt. Erste Konturen nimmt auch die Grünfläche westlich des Reichstags an. Die ersten Bahnen Rollrasen liegen schon - im nächsten Jahr können Freizeitkicker dort wieder gegen den Ball treten.

Denn Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hatte vor einem Jahr angekündigt, dass er nichts gegen Fußballspieler vor dem Parlamentssitz habe. Ein Mitarbeiter des mit der Begrünung beauftragten Landschaftsarchitekturbüros wollte davon gestern aber nichts wissen. "Das muss die Polizei regeln." Doch zunächst einmal müssen Schaufellader noch viele Kubikmeter Erde verschieben, um die Krater zu beseitigen, die die Tunnelbauer hinterlassen haben. Erst dann kann dort Rasen grünen, der wie vor zehn Jahren mit Hecken umgeben sein wird.

Schneller und ohne lange Anwachs-Wartezeit sollen die zehn Bäume am Reichstag "was hermachen". Deshalb seien 30 Jahre alte Bäume in der renommierten Hamburger Baumschule Lorenz von Ehren ausgesucht worden. Die zehn Bäume haben einen Wert von 190 000 Mark. Vier Platanen wurden am Vormittag in einem kleinen Rondell an der Spree gepflanzt. Am Nachmittag hob ein Autokran drei Ahorne, zwei Linden und eine Eiche in die zwei Meter tiefen Pflanzlöcher an der Scheidemannstraße. Die Bäume wurden dort nicht stur in einer Reihe, sondern in zwei Grüppchen gepflanzt. Das symbolisiere das "Hinüberspringen des Tiergartens über die Scheidemannstraße" zum Reichstag, hieß es beim Architekturbüro Müller & Wehberg, das den Landschaftswettbewerb "Spreebogen" gewonnen hatte.

Einige tausend Quadratmeter Tiergarten werden derzeit zwischen John-Foster-Dulles-Allee und Straße des 17. Juni neu bepflanzt. Dort war nach dem Mauerbau eine breite Schneise für die Entlastungsstraße durch den Park geschlagen worden. Diese Wunde soll nun, nach 40 Jahren, wieder heilen. 100 Bäume und 400 Büsche werden gepflanzt, überwiegend einheimische Sorten wie Hainbuchen, Eichen und Linden. Nach Eröffnung des Autotunnels wird dann die Entlastungsstraße zwischen Straße des 17. Juni und Kemperplatz ganz beseitigt. Etwa im Jahr 2004 wird der Tiergarten auch dort wieder aufgeforstet, sagte Baustadtrat Porath gestern. Nicht geheilt wird die hässliche Bezeichnung "Entlastungsstraße". Nachdem Ex-Verkehrssenator Klemann mit seiner - historisch unsinnigen - Idee "Floraallee" scheiterte, bleibe es künftig zwischen Sony-Center und Philharmonie sowie nördlich des 17. Juni bei der "Entlastung", sagte Porath.

Warten muss man auch auf den Uferwanderweg an der Spree. Zwar kündet eine Bautafel am Reichstag von der Fertigstellung im "September 2000". Realistisch sei ein Baubeginn erst 2002. Noch gibt es Streit um die Finanzierung und Gestaltung des "Spreeplatzes". Wie berichtet, wünscht sich der Architekt der Bundestagsbauten, Stephan von Braunfels, weitläufige Wassertreppen an beiden Ufern der Spree.

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