Berlin : Baustelle wird zum Grabungsort

Archäologen fanden einen Friedhof in Diepensee

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Sensationeller Fund in Diepensee: Bei ihren Grabungen im Bereich des für den Schönefelder Flughafenausbau geräumten Dorfes entdeckten Archäologen das Fundament einer mittelalterlichen Kirche mit einem Friedhof. Von den Gebeinen der Toten erhoffen sich die Experten jetzt Aufschluss darüber, warum eine hier Mitte des 13. Jahrhunderts gegründete Siedlung bereits nach etwa 100 Jahren wieder aufgegeben wurde.

Rund 100 Gräber wurden bereits lokalisiert. 200 bis 250 werden es wohl werden, schätzt Grabungsleiter Alexander Marx. Die Toten wurden in OstWestRichtung bestattet – ohne Beigaben.

Jedes Grab wird dokumentiert, dann werden die Knochen verpackt und ins Landesamt für Denkmalpflege nach Wünsdorf gebracht. Dort erfolgt dann die anthropologische Untersuchung. „Wir wussten im Vorfeld, dass hier mit einer mittelalterlichen Siedlung zu rechnen war“, sagt Joachim Wacker, stellvertretender Referatsleiter des Landesamtes. Doch einen so gut erhaltenen Friedhof hat man bisher nur im Braunkohlebau gefunden.

Der historische Schönefelder Kirchhof lag zu DDR-Zeiten unter einer Gärtnerei verborgen. Mit dem Fund können die Archäologen die Geschichte des mittelalterlichen Dorfes nachvollziehen. So lässt sich beispielsweise feststellen, ob die Bewohner von einer Seuche heimgesucht wurden. Aber zwischen den Gräbern gibt es auch Nachweise einer noch früheren Besiedlung, wie Pfeilspitzen und Scherben von Amphoren aus der Steinzeit.

Dort, wo jetzt die Toten aus dem Mittelalter geborgen werden, sollen später die Autos und Züge zum wenige hundert Meter weiter westlich entfernten Terminal des Flughafens Berlin-Brandenburg International rollen. Bis zum nächsten Jahr müssen die Archäologen ihre Arbeiten abgeschlossen haben. In Randbereichen können sie aber noch bis 2007 weiter forschen. Finanziert werden die Grabungen von der Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH. Die bisherigen Kosten liegen bei rund 3,2 Millionen Euro. du-

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