Bauunternehmer Hinkel : Doppelagent ohne Lizenz der Stasi?

Der Investor des Wohnturms an der East Side Gallery, Maik Uwe Hinkel, will als Agent für einen ausländischen Geheimdienst tätig gewesen sein, aber nicht als Stasi-IM. Experten und Opfer bezweifeln seine Darstellung.

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Er sei als „illegaler Agent“ eines ausländischen Geheimdienstes und des Bundesamtes für Verfassungsschutz tätig gewesen, erklärte der Investor an der East Side Gallery, Maik Uwe Hinkel, dem Verwaltungsgericht. Deshalb dürften seine Stasi-Akten nicht öffentlich gemacht werden. Hubertus Knabe, Leiter der Stasi-Gedenkstätte in Hohenschönhausen, vermutet darin „eine Schutzbehauptung“. Dass ausländische Dienste den gleichen Agentennamen verwenden wie die Stasi, „halte ich für nahezu ausgeschlossen“. Ähnlich äußerten sich auch andere Experten. Das Bundesamt für Verfassungsschutz wollte sich zu dem Fall nicht äußern.

Hinkel gab gegenüber dem Gericht zu, dass er als Agent „Jens Peter“ geführt wurde; unter diesem Namen finden sich viele Vorgänge in Opferakten der Stasi-Unterlagenbehörde. „Der Spiegel“ hatte im April von einer „erdrückenden Beweislast“ gegen Hinkel gesprochen. Er habe im Umfeld der katholischen Studentengemeinde in Zwickau agiert und nach Einschätzung des ehemaligen Pfarrers und Stasi-Experten Edmund Käbisch „skrupellos“ gute Freunde und Bekannte ausspioniert und an die Stasi verraten. Käbisch zufolge kamen einige wegen Hinkels Stasi-Tätigkeit ins Gefängnis. Hinkel alias Jens Peter wurde laut Verwaltungsgericht als IMB geführt, als „Spitzen-IM“ (Käbisch) mit Feindberührung, soll also mit aktiven Gegnern der SED zu tun gehabt haben. Hinkel hat stets bestritten, Stasi-Mitarbeiter gewesen zu sein. Zu den neuen Wendungen im Fall beantworteten weder Hinkel noch seine Agentur Tagesspiegel-Anfragen.

Einer, der Hinkel aus DDR-Zeiten kennt, ist Reinhold Robbe. Bei einer Dienstreise war der aus Westdeutschland stammende Robbe Mitgliedern der Zwickauer Friedens- und Umweltbewegung begegnet und hatte Freundschaften geknüpft. Bei späteren Besuchen sei Hinkel stets zugegen gewesen. Aus der Lektüre seiner Stasi-Akten glaubt Robbe zu wissen, warum: um den Regimekritiker Harald Schmutzler und seinen Freund aus dem Westen zu bespitzeln. „Nur er kann diese Berichte geliefert haben, das können mehrere Leute bezeugen“, sagt Robbe auf Nachfrage.

Könnte der „ausländische Geheimdienst“, für den Hinkel tätig gewesen sein will, der KGB gewesen sein? „In meiner Akte gibt es einen Link in kyrillischer Schrift, der nahelegt, dass bestimmte Dinge dem KGB weitergeleitet worden sein könnten“, sagt Robbe. Doch das sei nur eine Randnotiz in der Vielzahl von Berichten und Informationen, die von der Stasi erfasst wurden. Allein im Fall Schmutzler sollen es 65 Spitzelberichte gewesen sein. Robbes Freund und „Hauptleidtragender“, Harald Schmutzler, kam schließlich in Haft.

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