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Berlin : Bauverwaltung und Bezirk lehnen das als Touristenattraktion geplante Projekt bislang ab

Lo.

Soll er nun steigen oder soll er bleiben, wo er ist? Die neue Mitte liefert wieder einmal den Stoff, aus dem die Possen sind: Rührige Unternehmer spielen mit, nachdenkliche Beamte, diverse Verordnungen, ungeschriebene Moralgesetze, städtebauliche Bedenken und vor allem ein großer bunter Ballon in den Farben des Fernsehsenders Sat 1. Der angeblich größte Fesselballon der Welt, den es so ähnlich in Paris und London gibt, soll 30 zahlende Zuschauer in seiner Gondel aufnehmen, wie ein Lift 150 Meter hoch schweben, acht Minuten in der Luft halten und dann wieder zur Erde zurückkehren. Wenn es nach dem Willen von Frank Hellberg von Air Service Berlin ginge, dann könnte diese Touristenattraktion am 20. Januar starten und für ein ganzes Jahr das Bild rund um den Potsdamer Platz bestimmen. Für diese Zeit nämlich haben die Air-Service-Leute bei der Oberfinanzdirektion ein (bundeseigenes) Grundstück auf den ehemaligen Ministergärten, an der Ecke der Voß- und Ebertstraße, angemietet. Seit ein paar Tagen sind Handwerker dabei, fünf silbern glänzende Buden für Kassen und Berlin-Souvenirs aufzubauen. Löcher für die notwendigen Strom-Anschlüsse ins schon gebuddelt, und unübersehbar liegen Betonblöcke mit den stählernen Haken für die den Ballon haltenden Seile auf ihren Plätzen.

Die Vorbereitungen haben nun den Baustadtrat von Mitte aufgeweckt. Seine Behörde muss die von der Oberfinanzdirektion zugesagten bau- und luftverkehrsrechtlichen Genehmigungen letztendlich erteilen, mit Stempel und Unterschrift besiegeln. Das aber will sie nicht tun. Und die Senatsbauverwaltung nicht immer mit dem Bezirk Mitte auf einer Wellenlänge, macht mit und schließt sich den Argumenten von Baustadtrat Thomas Flierl an. Der moniert, dass sich die "vergnügungsparkähnliche, werbefinanzierte Fesselbahnstation nicht in das Stadtbild einfügt und den Umgebungsschutz für das Brandenburger Tor und die Sichtachsen auf das neue Berlin zwischen Potsdamer Platz und Reichstag mißachtet". Und dann verweist Flierl auf die geplante Grundsteinlegung für das Holocaust-Mahnmal am 27. Januar: "Damit wird der Raum zwischen Bundestag und Potsdamer Platz endgültig seinen (vermeintlichen) Charakter als Brache verlieren und der öfffentliche Umgang mit dem Gelände und seiner Geschichte wird zu einer Herausforderung für die Stadt und die ganze Republik". Und mehr noch: "Die symbolische Definition für diesen öffentlichen Raum darf nicht einem privaten Luftschiffer und seinem Sponsor überlassen bleiben."

Der Luftschiffer schickte flugs ein Fax in die Welt mit der fetten Überschrift "Bezirk Mitte verhindert Touristenattraktion am Potsdamer Platz". "Die Planung des Fesselballons war seit Monaten im Bauamt Mitte bekannt. Vor sechs Wochen wurde der Bauantrag eingereicht. Jeder Planungsschritt ist mit dem Bauamt abgestimmt. Uns gegenüber hatte die Behörde niemals eine Ablehnung oder Bedenken mitgeteilt." Die Senatsbauverwaltung hatte dem Antrag auf Erteilung einer entwicklungsrechtlichen Genehmigung "durch positiven Bescheid entsprochen", und nun diese Pleite. Air Service vermutet, dass die Auswahl des Werbepartners Sat 1 Schuld am Desaster sei. "Wir wollten eine Attraktion schaffen, die Mitte und das Regierungsviertel überschaubar machen." Wie nun weiter?

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