Bauvorhaben : Wald soll weichen

In Zehlendorf soll ein neuer Discounter entstehen. Probleme bereitet der Standort des Supermarkts - ein kleiner Kiefernwald. Die Anwohner wehren sich gegen Rodung des Areals

Christian van Lessen

Gegen den geplanten Bau eines Supermarktes mit Parkplätzen an der Potsdamer Chaussee gegenüber dem Waldfriedhof Zehlendorf regt sich heftiger Protest von Anwohnern. Mehrere hundert Unterschriften wurden bereits gesammelt. Der Protest sei „erheblich“, sagte Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD). Der umstrittene Supermarkt soll auf einem waldartigen, wildbewachsenen Gelände mit Kiefern entstehen, das die Kirche an eine Discounterkette verkauft hat. Der gültige Bebauungsplan sieht auf dem Gelände Wohnhäuser mit Grünflächen vor. Ein derartiges Projekt – erste Bäume waren schon gerodet – hatte sich zerschlagen.

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat inzwischen mehrheitlich einen neuen Bebauungsplan beschlossen, „um das Projekt Plus schnellstmöglich sicherzustellen“. Damit stößt sie auf Unverständnis in der eigenen Verwaltung. Der Baustadtrat sagte, der Bezirk habe das Gelände bewusst als Wohngebiet ausgewiesen, damit sich hier kein Supermarkt ansiedeln könne. In der Gegend gebe es bereits einige Supermärkte, außerdem sei der Bau eines anderen Discounters auf dem Parkplatz des Studentendorfs an der Potsdamer Chaussee so gut wie beschlossen.

Dass die evangelische Kirchengemeinde das waldartige, wie ein Schallschutz wirkende Grundstück in Nikolassee an die Kette verkauft habe, „macht die Sache schwierig“, sagte Stäglin. Es sei auch eine neue Rodungsgenehmigung der Forstverwaltung nötig. Aber er müsse die politische Mehrheitsentscheidung respektieren. Mit neuem Baurecht sei in rund eineinhalb Jahren zu rechnen.

In der BVV war der Meinungsumschwung unter anderem damit begründet worden, dass die Potsdamer Chaussee wegen der Verkehrsbelastung keine attraktive Wohnstraße sei. Der Bauherr des Supermarktes werde etliche Bäume erhalten und einen Grünstreifen schaffen. Jürgen Pritzkow von der Anwohnerinitiative spricht von „Alibifunktion“. Ohne Bürgerbeteiligung seien bereits Vorentscheidungen getroffen, die den Wohncharakter der Gegend entscheidend verändern würden und nur wirtschaftliche Interessen berücksichtigten.

Von wirtschaftlichen Interessen hängt auch das Bauprojekt auf dem ehemaligen Güterbahnhof Schlachtensee an der Breisgauer Straße ab. Eigentlich hätte schon im Frühjahr mit dem Bau eines Geschäftszentrums mit Läden und Praxen, dann mit Reihenhäusern an der Salzachstraße begonnen werden sollen. Baugenehmigungen liegen vor. Aber das Gelände, im vergangenen Jahr geräumt, verwildert wieder, ein Info-Pavillon ist fast zugewachsen. Der Projektentwickler Vivico hat sich entschlossen, das gesamte Areal zu verkaufen. Die Verhandlungen mit Interessenten, die das vereinbarte städtebauliche Konzept am besten umsetzen könnten, seien im Gange, teilte Markus Diekow von der Vivico mit. Er sei „sehr optimistisch, dass es zügig vorangeht“. Aber Bautermine sind wieder ungewiss. Christian van Lessen

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